Im Juli hat sich der Sektor der Telekom-Bonds stabilisiert
Telekom-Anleihen bieten hohe Renditen

Rentenanalysten halten Telekom-Bonds für die interessantesten Titel unter den Unternehmensanleihen. Im Juli haben sich die Renditeaufschläge einiger Bonds bereits eingeengt. Analysten sehen weiterhin attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Ihre Favoriten sind Anleihen von Deutsche Telekom, British Telecom und Telecom Italia.

FRANKFURT/M. Die Abstufung der Bonität von France Télécom, das Worldcom-Debakel, die Turbulenzen um den Abgang von Telekom-Chef Ron Sommer - die Kurse der Anleihen europäischer Telekom-Konzerne haben turbulente Wochen hinter sich. Doch im Monat Juli hat sich der Sektor stabilisiert. Hätte ein Anleger 100 Euro in diese Titel investiert, wären im Verlauf des Monats 102,64 Euro daraus geworden, hat die Investmentbank Bear Stearns ausgerechnet. Damit hatten Telekom-Bonds die beste Wertentwicklung unter den Unternehmensanleihen. Analysten sehen bei den derzeitigen Renditeaufschlägen vieler Telekom-Bonds ein interessantes Einstiegsniveau.

LBBW-Analyst Stephan Molt rechnet für Anleihen der Deutschen Telekom mit weiteren Kursgewinnen. "Die Renditeaufschläge sind viel zu hoch", sagt er. Am Freitag rentierte die im Juli 2006 fällige Anleihe der Deutschen Telekom rund 2,6 % über vergleichbaren Bundesanleihen. Auch Simon Surtees, Analyst bei Bear Stearns, ist positiv gestimmt. "Der Schuldenabbau wird das Thema Nummer eins für den kommenden Vorstandsvorsitzenden sein - wer immer es auch wird", sagt er. Deshalb habe sich die Ablösung von Ron Sommer bereits positiv auf die Anleihekurse ausgewirkt. Sein Nachfolger müsse sich nicht an eine jahrelang verfolgte Strategie halten. Er könne die Verschuldung reduzieren, indem er die überteuert gekaufte US-Mobilfunktochter als Juniorpartner in eine Fusion einbringt oder ganz verkauft. Molt hält nach wie vor das bis Mai 2012 laufende zehnjährige Papier mit dem "phantastischen Kupon" von 8,125 % für besonders interessant - obwohl ihr Kurs bereits auf über 105 % gestiegen ist.

Risikoreicher sind die Bonds von France Télécom, sagt der LBBW-Analyst. Doch auch hier seien die momentan am Markt gezahlten Renditeaufschläge "völlig übertrieben für die Papiere eines Unternehmens, hinter dem quasi die Regierung steht". So bringt die im März 2004 fällige France Télécom-Anleihe über 3,4 % mehr als vergleichbare Bundesanleihen. Dies preise bereits eine Abstufung der Bonds in den Bereich von "Schrott-Anleihen" ("Junk Bonds") ein, sagt Simone Büttner von der WGZ-Bank. Dies könne sie sich nicht vorstellen - denn in der Begründung zur letzten Abstufung hatten die Ratingagenturen erklärt, France Télécom bleibe in der Investitionsklasse, da der Staat hinter dem Unternehmen stehe. Allerdings sei nicht klar, in wie weit Eingriffe des französischen Staats mit dem EU-Wettbewerbsrecht vereinbar sind, sagt Büttner.

Vor diesem Hintergrund bevorzugt sie die sichereren Anleihen von British Telecom (BT). Am Mittwoch vergangener Woche hat S&P den Ratingausblick von zuvor "negativ" auf "stabil" angehoben - unter anderem, weil BT die Nettoverschuldung auf mittlerweile 13 Mrd. Pfund abgebaut hat und im Festnetzgeschäft im Heimatmarkt Großbritannien stark positioniert ist. S&P rechnet damit, dass BT den Verschuldungsabbau aus dem freien Cash-Flow weiter vorantreibt.

Molt findet auch Telecom Italia interessant. "Dieses Unternehmen hat die besten Kennzahlen im ganzen Sektor", sagt er. Eine Verbesserung des Ratings um eine Stufe und damit weitere Kursgewinne seien denkbar. Andere Analysten kritisieren hingegen die undurchsichtige Struktur des Konzerns.

Im Gegensatz zu Telecom Italia könnten die Kurse der Anleihen des spanischen Telekomkonzerns Telefónica von kommenden Abstufungen belastet werden. Am Freitag hat bereits die Ratingagentur Fitch das Langfristrating auf "A" von "A+" gesenkt. Der Ausblick für das Langfristrating wurde auf "stabil" von "negativ" geändert. Als Grund gab Fitch die turbulente Situation in Lateinamerika an. Telefónica hat im vergangenen Jahr 11,3 % seines Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) in Argentinien und 20,9 % in Brasilien erwirtschaftet. Auch Moody?s hat Telefónicas "A2"-Langfristrating unter Beobachtung hinsichtlich einer möglichen Abstufung gestellt. Die Volatilität der brasilianischen Währung Real und das damit verbundene Euro/Real-Wechselkursrisiko haben bereits zu starken Ausweitungen der Renditeaufschläge geführt. Bear-Stearns-Experte Surtees stuft die Bonds jedoch als "Market Performer" ein. Durch den Rekordkredit des IWF an Brasilien in Höhe von 30 Mrd. Dollar könne es gut sein, dass Lateinamerika sich stabilisiere und Telefónica mit einem blauen Auge davon kommt. Positiv sei auch der Rückzug aus dem UMTS-Geschäft außerhalb Spaniens zu sehen, da er den Schuldenabbau voran treibt.

Quelle: Handelsblatt

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