Im Juni 3,69 Millionen Menschen ohne Stelle
Deutscher Arbeitsmarkt stagniert

Die Konjunkturabkühlung zieht den Arbeitsmarkt zunehmend in Mitleidenschaft. Die Zahl der Arbeitslosen ist im eher starken Monat Juni nur leicht gesunken auf jetzt 3,69 Millionen. Saisonbereinigt sei sie sogar "seit einem halben Jahr kontinuierlich gestiegen", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, am Donnerstag in Nürnberg. Wichtigste Ursache sei im Westen die weltweite Konjunkturflaute, im Osten die Baukrise.

ap NÜRNBERG. "So sehr wir vom Wirtschaftswachstum des Jahres 2000 gelebt haben, so sehr merken wir jetzt, dass die Wirtschaft nicht mehr so rasch wächst", sagte Jagoda. "Ich sehe mit großer Sorge, dass sich Pessimismus breit macht". Die Politik habe mit der Steuerreform und der Haushaltskonsolidierung für gute Rahmenbedingungen gesorgt, lobte Jagoda. "Jetzt brauchen wir vertrauensbildende Maßnahmen für die Wirtschaft." So könnten schnellere Baugenehmigungen oder Angebote für vorgezogene Investitionen die "psychologische Bremse" lösen. Das Ziel von 3,7 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt sei noch zu erreichen, "wenn ein Ruck durch die Wirtschaft geht".

Bundesweit gab es im Juni 3,69 Millionen Arbeitslose, 26 400 weniger als vor einem Monat und 30 000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenzahl im Juni aber um 22 000. Die Arbeitslosenquote lag bei 8,9 %.

Die globale Konjunkturschwäche macht sich vor allem in Westdeutschland bemerkbar, wo die Wirtschaft exportabhängiger ist. Die Arbeitslosigkeit sank im Zuge der auslaufenden Frühjahrsbelebung um 5 000 auf 2,38 Millionen Stellenlose. Das entspricht einer Quote von 7,1 %. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit um 14000, seit Jahresbeginn sogar um 50 000.

In Ostdeutschland macht sich die Konjunktur weniger bemerkbar, wie Jagoda erklärte. Das verarbeitende Gewerbe wachse seit längerem stärker als im Westen. Aber die positiven Tendenzen würden von der Schrumpfung der Bauwirtschaft und des öffentlichen Sektors kompensiert, `somit kommt der Arbeitsmarkt wie schon im vergangenen Jahr nicht voran". Im Juni waren in Ostdeutschland 1,31 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz, 21 500 weniger als im Mai. Saisonbereinigt stieg die Arbeitslosigkeit um 8 000, seit Jahresbeginn um 30 000. Die Arbeitslosenquote ist mit 16,8 % doppelt so hoch wie im Westen.

Mehr Lehrstellen gemeldet

Auch die Erwerbstätigkeit hat sich saisonbereinigt nicht mehr erhöht. Jagoda sagte, nach Rückgängen im ersten Quartal sei sie im April unverändert geblieben. Nicht saisonbereinigt sei die Zahl der Erwerbstätigen im April um 235 000 auf 38,52 Milionen gestiegen. Nach vorläufigen Daten habe es im März im Westen 410 000 mehr voll sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegeben als ein Jahr zuvor, im Osten 73 000 weniger.

Die Lage am Ausbildungsmarkt ist nach Jagodas Worten etwas günstiger als vor einem Jahr. Bis Juni seien fast zwei Prozent mehr Lehrstellen und fünf Prozent weniger Bewerber gemeldet worden. Derzeit seien noch 153 000 Stellen offen und 259 400 Bewerber nicht vermittelt. Die regionalen Unterscheide seien allerdings enorm. So kommen in Sachsen und Brandenburg auf zehn offene Stellen 60 Bewerber; in Bayern dagegen gibt es einen Bewerbermangel, auf zehn Stellen kommen nur neun Jugendliche.

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