Im Kampf um Kandahar
"Ledernacken" treffen auf entschlossene Gegner

Für die Amerikaner ist die gefährlichste Phase des Kampfs gegen den Terrorismus in Afghanistan angebrochen. Die 1.000 dorthin verlegten Soldaten des Marinekorps sollen der Nordallianz beim Ausräumen letzter Widerstandsnester der Taliban-Miliz und der Terrororganisation El Kaida in Kandahar und anderswo helfen und den mutmaßlichen Terroristenführer Osama bin Laden suchen.

ap WASHINGTON. Die verbliebenen Taliban und ihre ausländischen Helfer seien ungemein gefährlich, meint der Militäranalytiker Stephen Baker. "Das sind Leute, die sich entschlossen haben, bis zum Ende zu kämpfen", sagt der frühere Konteradmiral, der beim Zentrum für Verteidigungsinformation in Washington tätig ist.

Noch dramatischer formulierte es Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die US-Soldaten könnten konfrontiert werden mit Kämpfern, "die bereit sind, sich mit Handgranaten behängen zu lassen und sich in die Luft zu sprengen, um ein halbes Dutzend Menschen in ihrer Nähe zu töten".

Dass sie sich ergeben würden, sei "nicht wahrscheinlich". Mit dem in der Nacht zum Montag eingeleiteten Einsatz der Bodentruppen wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es Verluste auf amerikanischer Seite geben wird. Während der ersten sieben Wochen des Kriegs gegen das Taliban-Regime und Bin Laden hatten sich die Amerikaner im Wesentlichen auf Luftangriffe zur Unterstützung der Truppen der Nordallianz beschränkt. Einige Amerikaner waren als Militärberater der Nordallianz tätig, und mehrere hundert Angehörige von Sonderkommandos hatten die Aufgabe, vom Boden aus die Bombenflugzeuge zu den Zielen zu dirigieren und dann, auf der Suche nach bin Laden, Straßen zu blockieren.

Trotz des Einsatzes der "Ledernacken", wie die Soldaten des Marinekorps genannt werden, sind die USA weiter auf die Nordallianz angewiesen. Sie hat die Hauptlast der Kämpfe und der Suche nach bin Laden zu tragen. Diese Lösung sei vorzuziehen, sagte Rumsfeld. Amerikaner sollten dann die Vernehmung von Gefangenen übernehmen, die Kontakt mit bin Laden gehabt haben könnten.

Bin Laden hat viele Verstecke zur Auswahl

An Möglichkeiten zum Verstecken fehlt es bin Laden nicht: Von einer dichtbewaldeten Region westlich von Kandahar bis hin zu der rund 500 Kilometer weiter nordöstlich gelegenen Festung Tora Bora auf einem 3.900 Meter hohen Berg in der Umgebung von Dschalalabad östlich von Kabul, die während der Zeit der sowjetischen Militärintervention mit amerikanischer Hilfe für den Widerstand geschaffen wurde. Sie besteht aus tief in den Fels gehauenen Räumen und Gängen.

"Ich bin sicher, dass er hier ist, zu 70 Prozent sicher", sagte am Montag der Milizenführer Hasrat Ali im Raum Dschalalabad. Bin Laden halte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nahe der pakistanischen Grenze auf, um Afghanistan notfalls rasch verlassen zu können. Andere vermuten, dass Bin Laden und Taliban-Anhänger sich tief in die von Höhlen durchzogene, unwegsame Gebirgsregion um Islam Dara in der nordwestlichen Umgebung von Kandahar zurückziehen könnten. Die Gegend war in den letzten Wochen Ziel amerikanischer Bombenangriffe, jedoch ist es fraglich, ob die vielen Höhlen dabei bedeutenden Schaden davontrugen.

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