Im Kartellverfahren drohen hohe Bußgelder
Zementindustrie schlittert tief in die Krise

Die Zementindustrie schlittert in die schwerste Krise ihrer Geschichte. Die konjunkturelle Talfahrt der Baubranche, Überkapazitäten, Preiskampf und möglicherweise hohe Bußen des Kartellamts wegen Quotenabsprachen sind nur eine Seite.

KÖLN. Nun drohen auch noch Schadensersatzansprüche der Zementabnehmer in Milliardenhöhe und belasten die Branche schwer. Branchenkenner prognostizieren einen erheblichen Strukturwandel.

Zwar weist der Bundesverband der Deutschen Zementindustrie Meldungen über Bußgelder des Kartellamts in Milliardenhöhe als Spekulation zurück, doch an "einem bewussten Parallelverhalten einiger Firmen" gibt es keinen Zweifel mehr, sagt Hauptgeschäftsführer Michael Weißenborn. Es geht nur noch um die Höhe der Strafe.

Das Kartellamt wendet zum ersten Mal eine Bonusregelung an. Danach erhalten diejenigen Unternehmen einen Nachlass auf das Strafmaß, die an der Aufklärung des Kartells aktiv mitwirken. Neben der Ratinger Readymix ist dies auch die Wiesbadener Dyckerhoff. Branchenprimus Heidelberg Cement hingegen gehört nicht dazu. Der Konzern hat auch keine Rückstellungen für Bußgelder gebildet. "Wir sind überzeugt, eine untergeordnete Rolle in dem Kartellverfahren zu spielen und werden falls erforderlich Rechtsmittel gegen einen Bußgeldbescheid einlegen", sagte eine Sprecherin.

Weißenborn betonte, dass das Kartellamt bislang noch keine Bußgeldbescheide verschickt habe. Gerüchte über hohe Bußgelder dienten dazu, den Druck auf Unternehmen zu erhöhen, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Bußgelder für die Branche in Milliardenhöhe seien für einige Unternehmen existenzbedrohend. Weißenborn bleibt dennoch gelassen: Das Kartellamt habe noch nie Bußgelder verhängt, die die Unternehmen an den Rand des Ruins drängten. Er rechne mit einem Bußgeld für die Branche in Höhe von insgesamt maximal 500 Mill. Euro. Die Bonner Behörde will darüber Anfang 2003 entscheiden.

Ärger droht der Zementindustrie aber auch von anderer Seite. Die Rechtsanwaltskanzlei Classen Bayer Lauer aus Kaiserslautern strebt ein Sammelverfahren gegen die Branche an. Dazu kauft Ulrich Classen für eine Brüsseler Firma Schadensersatzansprüche von Zementkunden auf. Von 40 Unternehmen will Classen bereits feste Zusagen haben. Wenn sich nur die Hälfte der Zementabnehmer anschlössen, sagte Classen dem Handelsblatt, beliefe sich der Schadensersatzanspruch auf 1,6 Mrd. Euro. Weißenborn rechnet hingegen nicht damit, dass Classen mit seinem Vorhaben Erfolg hat.

Quelle: Handelsblatt

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