"Im Kern ein gesundes Unternehmen"
Mobilcom-Pleite durch Staatshilfe abgewendet

Die drohende Pleite des Mobilfunkanbieters Mobilcom ist durch massive Staatshilfen vorerst abgewendet. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) soll 320 Millionen Euro bereitstellen und die schleswig-holsteinische Landesbank 80 Millionen Euro.

Reuters BERLIN. Damit ist Müller zufolge die Zahlungsfähigkeit der Firma bis weit ins nächste Jahr gesichert. "Mobilcom ist ein im Kern gesundes Unternehmen mit einem Liquiditätsengpass", rechtfertigte der Minister die Staatshilfen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) sagte, ein Großteil der mehr als 5 000 Arbeitsplätze sei nun gesichert.

Müller betonte erneut, Großaktionär France Telecom sei auch nach Überzeugung der Bundesregierung verpflichtet, Mobilcom beim Aufbau des UMTS-Netzes weiter zu unterstützen. "Der Weg ist nun frei für eine einvernehmliche Lösung mit France Telecom." Die Staatshilfen brächten nun die benötigte Zeit für Gespräche. Die Deutsche Bank und andere Institute hätten zudem zugesagt, den Zahlungseinzug für Mobilcom wieder aufzunehmen. Ohne dieses Inkasso hätte sich die Lage für Mobilcom weiter verschärft.

Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid will seinen Aktienanteil und den seiner Frau von insgesamt fast 50 Prozent nach eigenen Worten einem Treuhänder übergeben. Damit soll sein Zwist mit France Telecom vorerst beigelegt und die geplante außerordentliche Hauptversammlung ausfallen.

Unternehmenschef Thorsten Grenz sprach von einem wichtigen Schritt für den Fortbestand der Firma. "Wir halten unsere Rechtsposition gegenüber France Telecom für stark", betonte er. Um die Verhandlungen nicht zu belasten, wolle man aber vorerst keine juristischen Schritte einleiten.

Müller hatte bereits am Sonntagnachmittag gesagt, dass die Bundesregierung die Ansprüche von Mobilcom gegenüber France Telecom für berechtigt hält. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Rechte gegenüber France Telecom überaus belastbar sind." France Telecom habe sich beim Kauf der UMTS-Lizenz auch für den Aufbau eines entsprechenden Netzes verpflichtet.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte am Freitag erklärt, die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um die mehr als 5 000 Arbeitsplätze bei dem im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf ansässigen Unternehmen zu retten. Die mit 28,5 Prozent am Mobilcom beteiligte France Telecom hatte in der Nacht zu Freitag bekannt gegeben, den Geldfluss an Mobilcom einzustellen. Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Hilfe des halbstaatlichen französischen Konzerns für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben. Über die Strategie beim Aufbau des UMTS-Mobilfunks waren die Partner in Streit geraten. Zuletzt war die mit sechs Milliarden Euro verschuldete Mobilcom nur noch durch die Geldspritzen der Franzosen lebensfähig geblieben.

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