Im Konjunkturtal überzeugen Energieversorger und Konsumgüter-Hersteller
Mit defensiven Branchen durch die Krise

Krisenzeiten sind turbulente Börsenzeiten - momentan erleben wir das hautnah. Doch zwischen den Aktien, die je nach Nachrichtenlage extrem steigen, aber auch tief fallen, verstecken sich gemütlichere Titel, auf die ein Blick lohnt.

DÜSSELDORF. Solche so genanntem defensiven Aktien haben nämlich das Zeug, sich gegen den Trend zu stemmen und im wahrsten Sinne des Wortes ruhig zu bleiben. Sie waren in den jüngsten anderthalb Jahren eine ideale Beimischung für jedes Depot.

Wie der Name erahnen lässt, gerät mit solchen Anlagen das Depot nicht sofort bei jeder Böe ins Wanken. Anleger können sich mit ihnen noch in sicherem Fahrwasser wiegen, auch wenn an der Börse ein rauer Wind weht. Gut also, wer schon investiert ist.

Analysten sehen aber auch jetzt noch Potenzial für einen Einstieg in diesen Werten. Immerhin können sie eine gute Konstante im Portfolio darstellen. Hin und wieder jedoch empfehlen Analysten auch schon vorsichtig aggressivere Investments. "Man hätte eher über die vergangenen anderthalb Jahre in defensive Branchen investieren sollen", sagt André Will-Laudien vom Bankhaus Reuschel.

Aber was sind überhaupt "defensive" Branchen? Die Abgrenzung scheint zunächst nicht schwer: Übereinstimmend nennen Analysten Versorger, Nahrungsmittel und Kosmetik. Doch schon bei der Bewertung von Pharma, Öl oder Rohstoffen gehen die Meinungen in den Bankhäusern auseinander.

Konstante Nachfrage auch in der Krise

Grundsätzlich kann der Unterschied an der Konjunkturempfindlichkeit fest gemacht werden. Es gibt Güter, die stark von ihr abhängen und andere, die weniger betroffen sind. So fangen Konsumenten im Aufschwung nicht an zu Rauchen, bloß weil sie mehr Geld in der Tasche haben. Sie hören aber auch nicht damit auf, wenn das Geld im Portemonnaie knapper wird. Defensive Branchen zeichnen sich also dadurch aus, dass die Nachfrage nach ihren Produkten in Krisenzeiten nahezu konstant bleibt. Deshalb können sie selbst im Konjunkturtal nicht so leicht erschüttert werden und ein stabiles Gewinnwachstum präsentieren. "Wir brauchen Ver- und Entsorger sowie Nahrungs- und Verbrauchsmittel", erklärt Analyst Will-Laudien. Als Produktbeispiele dienen ihm Pflaster, Seife und Kleber. "Eine Beiersdorf oder eine Henkel sind da defensive Anlagen", sagt der Reuschel-Analyst.

So defensiv ein Titel auch sein mag, vor Verlusten schützt das alleine noch nicht. Denn auch viele defensive Werte werden von Trends erfasst. "Wir haben seit 17 Monaten einen manifestierten Abwärtstrend, da gibt es keine ausgesprochen defensiven Aktien", meint André Will-Laudien. Er nennt jedoch Öl, Versorger und "die ein oder anderen Rohstofftitel, wie zum Beispiel Goldaktien" als eher defensive Branchen.

Fondsmanager Anko Beldsnijder von Griffin Capital Management dagegen bezieht dagegen Rohstoffe lieber nicht mit ein. Dafür zählt er die Pharmabranche mit. Bei Rohstoffen sei die Volatilität groß. "Man muss sehr mutig sein, um Gewinne zu machen", sagt Beldsnijder, und für Mutige hat er noch einen anderen Tipp: "Auf dem aktuellen Niveau wird auch Telekommunikation zu einer defensiven Branche".

"Defensiv" ist nicht gleich "Value"

Nicht zu verwechseln sind defensive Anlagen mit den so genannten Value-Aktien. "Defensive Anlagen haben momentan wenig value im Sinne einer günstigen Bewertung", sagt Analyst Beldsnijder. Eine Aktie hat "value", wenn sie im Verhältnis zu den Gewinnaussichten günstig bewertet ist. Das gilt aber für viele defensive Titel gerade nicht, denn viele Investoren flüchten sich derzeit in diese "sicheren Häfen". "Defensive Aktien sind in Krisenzeiten sehr teuer", so Beldsnijder.

Das kann sich ändern, wenn gerade zyklische Unternehmen mit positiven Meldungen aufwarten und die Wachstumsaussichten sich verbessern. Vielleicht ein Grund, auch dort die Augen offen zu halten.

Laut Analyst Will-Laudien ist der Pessimismus im Markt mittlerweile sehr groß, so dass aggressivere Investments in nächster Zeit durchaus interessant werden. "Wir haben allerdings noch keine bestätigte Bodenbildung", mahnt er, "wer aber bisher noch nicht investiert ist, sollte sich mit dem ersten Drittel seines geplanten Aktieninvestments wieder in den Markt wagen."

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