Im koreanischen Kumi steht die größte Fabrik für Mobiltelefone
Ganz automatisch

Der koreanische Konzern Samsung hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2005 will das Unternehmen zu den Top-Herstellern in der Mobilfunkbranche zählen. Mit innovativen Modellen und nahezu vollautomatischen Produktionsprozessen stürmen die Koreaner an die Spitze.

HB Klapp, klapp, klapp. Wie Muscheln im Meer öffnen und schließen sie sich stundenlang, bis es erbarmungslos weitergeht. Kawumm! Aus einer Höhe von 1,5 m stürzen sie nun im freien Fall zu Boden. Kaum liegen sie hier, werden sie auch schon von zwei Mitarbeitern aufgelesen, um dann wenige Sekunden später wieder auf die Erde zu sausen. 31-mal wiederholt sich dieser Vorgang. Danach müssen sie noch wie Sardinen im Salzwasser liegen, eisige Zeiten im Frostkasten überleben und Hitze aushalten.

Was aussieht wie in der britischen Entwicklungsabteilung des MI5, in der James Bond und "Q" gerade neue Killerkugelschreiber ausprobieren, liegt in Wahrheit 250 Kilometer von Seoul entfernt. Hier, im koreanischen Kumi testet Samsung Electronics seine neuen Handys auf das Härteste - bevor sie in die Produktion gehen. Dabei ist die Fabrik in Kumi nicht irgendeine, sondern die weltweit größte zusammenhängende Fertigungsstätte für Mobiltelefone.

Auf rund 33 000 Quadratmetern werden jeden Monat rund drei Millionen Geräte gebaut. Das sind 36 Millionen Handys pro Jahr. Gut 80 Prozent davon wandern ins Ausland. Tendenz steigend.

Nachfrage wächst permanent

"Seit den Terroranschlägen in den USA ist die Nachfrage bei uns besonders stark gewachsen", erklärt uns Byeongbok Jeon, hauptverantwortlich für die Produktion, der uns über das Firmengelände führt. Als Gründe für den erhöhten Bedarf nennt er den verstärkten Wunsch, sich auszutauschen und stets erreichbar zu sein. Samsung plant daher, die Kapazität auf 3,3 Millionen Handys pro Monat auszuweiten. Ein derartiger Anstieg ist für die Asiaten nichts Ungewöhnliches: Immerhin steigere man den Output jedes Jahr um stolze 30 Prozent, so Jeon. Fragt sich nur, wie es dem Hersteller dabei möglich ist, flexibel zu bleiben? Denn was ist, wenn die Nachfrage plötzlich wieder sinkt? Ein Problem, mit dem die Konkurrenz bereits zu kämpfen hat.

Samsung setzt auf Automatisierung

Während andere Elektronikkonzerne auf möglichst viele freie Mitarbeiter und variable Arbeitszeiten setzen, heißt das Geheimrezept der Koreaner: Automatisierung. Immer mehr fleißige Fingerchen werden durch immer mehr Maschinen ersetzt. Und zwar durch Maschinen der Marke Eigenbau. Lief vor drei Jahren noch alle 50 Sekunden ein fertiges Modell vom Band, muss man jetzt nur noch elf Sekunden warten.

Ganz ohne Mitarbeiter geht es nicht

Mitte 2002 sollen es sogar nur noch sieben Sekunden sein. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass jedes Mobiltelefon aus durchschnittlich 500 bis 600 verschiedenen Komponenten besteht. Viele dieser Bestandteile sind nur wenige Millimeter klein. Allein schon deshalb sind Maschinen notwendig. Ganz ohne Mitarbeiter kommt aber selbst Samsung nicht aus: Derzeit zählt man in Kumi rund 6 950 Angestellte. 60 Prozent von ihnen sind Frauen, die durchschnittlich 20,8 Jahre alt sind und rund 45 Stunden die Woche arbeiten. Gerne auch mal mehr.

Mit Mitte zwanzig hören sie auf, "weil sie dann heiraten", lächelt Jeon. Vermutlich einen Mann, der gleichfalls bei Samsung arbeitet. Jemand anders lernt man in Kumi wahrscheinlich nicht kennen. Außerdem sind Samsung-Mitarbeiter eine gute Partie: Ihr Gehalt soll doppelt so hoch sein wie das eines durchschnittlichen Arbeiters in Korea.

Motivation durch Incentives und Wettbewerbe

Zusätzliche Motivation leisten Incentives und Wettbewerbe. So fragte man beispielsweise die Mitarbeiter, wie sie sich das Handy der Zukunft vorstellen. Als Ergebnis zieren zahlreiche Ton-, Papier- und Plastikmodelle die Wände. Das ist koreanische Corporate Identity. Direkt daneben stehen Pokale, die an überdimensionale Vasen für Reiswein erinnern: für das beste Fußballteam des Werks oder die beste Qualitätskontrolle, auf die man viel Wert legt.

Qualitätskontrolle ist unerlässlich

Sie beginnt bereits bei den Platinen, die automatisch auf ihre Vollständigkeit hin überprüft werden. Anschließend setzen die Frauen das Gehäuse der Geräte zusammen, testen die Tasten, den Rufaufbau und den Empfang der Antenne, bevor sie die Modelle endgültig verpacken. Währenddessen wachen die Männer über die Maschinen. Was eine Minute Produktionsausfall kostet, wollte man nicht verraten. Dafür erfahren wir, dass man in jede Fertigungslinie rund 1,5 Millionen US-Dollar investierte und hier 75 solcher Linien stehen.

Weitere Investionen geplantDass sich derart hohe Investitionen lohnen, dessen ist man sich in Korea sicher. So sicher, dass man neben den vier weiteren Fabriken, die sich über die Welt verteilen, noch eine fünfte in Mexiko plant. Schließlich hat sich der Hersteller hohe Ziele gesteckt: 2005 will Samsung ein "electronic leader" sein und zu den Top-Unternehmen im Mobilfunk zählen. Bereits jetzt haben die Asiaten Platz fünf auf dem europäischen Treppchen der Marktanteile erklommen. Als Gründe für den Erfolg und den Optimismus führt man insbesondere den Innovationsgeist an.

So präsentierte Samsung als erstes Unternehmen ein Frauen-Phone mit Zykluskalender und Kalorienzähler. Im diesem Jahr wollen die Koreaner mit einem so genannten VOD-Phone in Europa auftrumpfen: Das Handy hält einen bunten Bildschirm und einen MPEG4-Player bereit, der Musikvideos, animierte Nachrichten und Kurzfilme abspielt, die zuvor per Video-on-Demand bestellt wurden. Man darf gespannt sein, was Samsung sonst noch alles aus der koreanischen Wunderkiste zaubert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%