Im Land der zwei Herzen
Ukraine: Steiniger Weg in die Nato

Der ukrainische Präsident will sein Land in die Nato führen. Doch der Weg ist steinig. Das Land mit dem großen Anteil an russischstämmiger Bevölkerung ist tief gespalten - und die Politik nicht schuldlos daran.

KIEW. Wer bei der Ankunft in Boryspil, dem internationalen Flughafen der ukrainischen Hauptstadt, nach offiziellen Informationen über Kiew oder Land und Leute sucht, stößt auf Ungewöhnliches. In den gleich nach der Passkontrolle aufgestellten Boxen finden sich in anderen Ländern Stadtpläne für Touristen oder PR-Material für Manager über die Wirtschaftskraft. Nicht so in Boryspil. Dort stößt man auf Lockrufe, die man sonst vor allem aus dem Internet kennt.

"Sicher ist Ihnen aufgefallen, wie schön unsere ukrainischen Frauen sind", wirbt (übrigens völlig zu Recht) ein Ehevermittlungsinstitut. Und weil es das im Terminal des internationalen Airports tun darf, erhält der Kuppelungsversuch einen offiziösen Anstrich. Alle Kandidatinnen hätten einen "Eignungstest" bestanden, wird gepriesen - was darunter zu verstehen ist, bleibt der Fantasie potenzieller Kunden überlassen.

Willkommen in der Ukraine, der einstigen Sowjetrepublik, die offenbar nichts ungenutzt lässt, um für sich Werbung zu machen. Schließlich hat sie sich viel vorgenommen: Ihr Präsident Wiktor Juschtschenko möchte das Land in die Nato führen und der EU annähern. Die Ukraine soll auch, zusammen mit Polen, 2012 die Fußball-Europameisterschaften durchführen.

Bei der Ausrichtung auf den Westen hat die Ukraine allerdings noch einen langen Weg zurückzulegen. Insbesondere nun, da die Russen Georgien bedrohen und die Region in Aufruhr versetzen. Moskau, so geht seither in Kiew die Angst um, werde über die russischstämmige Bevölkerung der Krim auch die Ukraine destabilisieren.

Tatsächlich präsentiert sich die Ukraine als ein gelähmtes und tief gespaltenes Land, in dem zwei Herzen schlagen - und die Politik ist nicht ganz unschuldig daran.

Schon in Sachen Fußball geht nichts voran. Während im Nachbarland Polen emsig am ehrgeizigen Vorhaben Euro 2012 gearbeitet wird, lässt sich in Kiew kein nationaler Wille ausmachen, das Projekt auf den Weg zu bringen. Bürokratische Hindernisse und politische Grabenkämpfe zwischen Präsident Wiktor Juschtschenko und Regierungschefin Julia Timoschenko verzögern die Infrastruktur-Projekte immer wieder - von den dringend benötigten neuen Flughafenterminals bis hin zum Straßenbau.

Auch haben wegen widersprüchlicher Aussagen des Transportministers die meisten Investoren ihre Zusagen auf Eis gelegt. Michel Platini, Präsident des europäischen Fußballverbandes Uefa, droht jetzt den Ukrainern damit, sich nach einem anderen Land umzuschauen. "Das wäre ein Schock für uns", sagt Andrii P. Gorbachyk, Soziologieprofessor an der "Kyiv National Taras Shevchenko University".

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