Im März
Experten erwarten saisonbereinigt mehr Arbeitslose

Trotz eines im Frühjahr üblichen Rückgangs der unbereinigten Erwerbslosenzahl hat die Arbeitslosigkeit nach Einschätzung von Volkswirten im März in Deutschland saisonbereinigt erneut zugenommen.

Reuters FRANKFURT. Die üblichen Saisoneffekte und die günstige Witterung im März hätten zwar die Arbeitslosenzahl zurückgehen lassen, sagten Analysten. Die um Saisoneinflüsse bereinigte Zahl dürfte jedoch im Vergleich zum Vormonat erneut gestiegen sein. Mit einer nachhaltigen Besserung der Arbeitsmarktlage rechnen die Volkswirte frühestens ab Sommer. Von Reuters befragte Volkswirte sagten im Schnitt einen Anstieg der unbereinigten Zahl der Arbeitslosen um 5 600 zum Vormonat voraus, die Schätzungen der neun Volkswirte reichten allerdings von einem Rückgang von 15 000 bis zu einem Anstieg von 18 000 Arbeitslosen. Die auf bereingten Daten basierende Arbeitslosenquote liegt nach Einschätzung der Analysten bei unverändert 9,6 Prozent.

Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen bleibe hinter der sonst im Frühjahr üblichen Abnahme zurück, sagte Peter Meister von der BHF-Bank. "Im Frühjahr sinkt die unbereinigte Zahl immer, weil in wetterabhängigen Branchen die Beschäftigung wieder zunimmt."

Ein Konjunkturforscher des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) verwies ebenfalls darauf, dass es sich um einen saison- und nicht konjunkturbedingten Rückgang handele. "Das bedeutet saisonbereinigt immer noch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit", sagte der HWWA-Experte.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen schließt mit Verweis auf die von der "Bild"-Zeitung am Donnerstag veröffentlichte März-Gesamtzahl von 4,16 nach 4,296 Millionen dagegen einen Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit nicht aus. Der frühe Ostertermin könnte dazu geführt haben, dass Saisonbetriebe wie Hotels oder Restaurants früher als sonst üblich Saisonkräfte eingestellt hätten, sagte Solveen.

Die offiziellen Arbeitsmarkt-Daten werden am Dienstag zum ersten Mal vom neuen Vorstandsvorsitzenden der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, vorgelegt. Bereits im Februar war die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl unerwartet nur um 1000 gestiegen.

Mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt rechnen die Experten weiterhin frühestens im Sommer. "Im März und April sehen wir wahrscheinlich erst die volle Auswirkung der konjunkturellen Abschwächung der vorangegangenen Monate", sagte Stadler. Auch in den kommenden Monaten seien daher weiter schlechte Arbeitsmarktdaten zu erwarten.

Unerwartet günstige März-Daten könnten nach Einschätzung einiger Volkswirte mittelfristig sogar den Abbau der Arbeitslosigkeit bremsen. Denn positive Arbeitsmarktdaten stärkten die Position der Gewerkschaften bei den Lohnverhandlungen, sagte Meister. "Hohe Lohnsteigerungen könnten die Verbesserung der Beschäftigungssituation weiter hinauszögern, weil die Unternehmen dann wohl weniger einstellungsfreudig sein dürften." Die IG Metall versucht derzeit, ihrer Lohnforderung von 6,5 Prozent mit Warnstreiks Nachdruck zu verleihen. Die Arbeitgeber lehnen eine Lohnsteigerung in einer solchen Höhe mit dem Verweis auf die gegenwärtig schwache Konjunktur ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%