Im Mai droht Flächen-Ausstand
IG Metall wirft Streik-Maschinerie an

Im Metall-Tarifkonflikt stehen die Zeichen auf Sturm. Die IG Metall will ihren Streik- Fahrplan sogar schneller umsetzen als ursprünglich geplant - die Mahnungen des Kanzlers verhallen ungehört.

BERLIN. Die IG Metall bereitet mit Hochdruck Arbeitskampf-Maßnahmen vor. Trotz des unerwartet hohen Lohnangebots der Metallarbeitgeber vom Freitag plant die Gewerkschaft nach Informationen des Handelsblatts schon ab kommendem Montag Warnstreiks. Ende April will sie ihre Mitglieder zur Urabstimmung über einen regulären Arbeitskampf aufrufen, wenn bis dahin kein Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie gelungen ist. Anfang Mai könnte es zu Flächenstreiks kommen. Damit zieht die IG Metall deutlich früher in den Arbeitskampf als ursprünglich geplant.

Viele IG-Metall-Funktionäre erwarten, dass an der Mobilisierung für den unbefristeten Streik kein Weg vorbeiführt. Das Arbeitgeberangebot von 2 % sei "völlig indiskutabel", kritisierte Gewerkschaftsvize Jürgen Peters. Jürgen Stamm, Leiter der mächtigen IG-Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart, warnte: "Alles läuft auf die Urabstimmung zu." Sein Nürnberger Kollege Gerd Lobodda nannte den Arbeitskampf "beinahe unvermeidlich".

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall verurteilte den beschleunigten Streikfahrplan als "absolut unverständlich". "Es ist leichtsinnig von der IG Metall, den Konflikt zu schüren", kritisierte Gesamtmetall-Geschäftsführer Hans Werner Busch. Sie gefährde damit Arbeitsplätze und erschwere die ohnehin komplizierten Verhandlungen. Der letzte große Streik in der Metall- und Elektroindustrie fand 1995 in Bayern statt. Er endete mit einer verheerenden Niederlage für die Arbeitgeber. In zwei Stufen wurden damals die Löhne und Gehälter um insgesamt 7 % erhöht, hinzu kam eine kostenträchtige Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Dennoch betonte Busch: "Wir sind in der Lage, den Arbeitskampf aufzunehmen, wenn er uns von der IG Metall aufgezwungen wird."

Sechs Monate vor der Bundestagswahl sind das schlechte Nachrichten für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Mehrfach hatte er Gewerkschaften und Arbeitgeber gemahnt, auf einen Arbeitskampf zu verzichten. Doch Schröders Appelle verhallen angesichts des ohnehin zerrütteten Verhältnisses der Gewerkschaften zur SPD ungehört. Die Tarifpolitik dürfe sich nicht danach richten, ob sie der regierenden Koalition nütze oder schade, verkündete IG-Metall-Vize Peters. Um massive Warnstreiks abzuwenden, müssten die Arbeitgeber ihr Angebot innerhalb der nächsten zwei Wochen deutlich verbessern, forderte Peters.

Gesamtmetall lehnt dies ab. Die Arbeitgeber hätten mit ihrem Angebot bereits die Obergrenze des Verteilungsspielraums strapaziert, betonte Busch. Damit ist so gut wie ausgeschlossen, dass die Warnstreiks noch durch einen schnellen Tarifabschluss abgewendet werden können. Nach Ostern will die IG Metall bundesweit zu den bei den Firmen gefürchteten kurzzeitigen Arbeitsunterbrechungen aufrufen. "Kein Betrieb kann sich sicher fühlen", drohte Armin Schild, Leiter der Tarifabteilung beim IG-Metall-Vorstand.

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