Im Mai eröffnet die amerikanische Kultmarke die ersten beiden Filialen in Deutschland – Auch Nestlé, Kraft und Tchibo haben Trend erkannt
Starbucks gibt Kaffeegeschäft neuen Schwung

Starbucks kommt. In einigen Jahren will die Kaffee-Bar-Kette Marktführer in Deutschland sein. Die Konkurrenz beunruhigt das nicht. Sie hofft, dass die Amerikaner den Markt zusätzlich beleben.

DÜSSELDORF. Unter echten Kennern gilt die amerikanische Version des Kaffees als beinahe ungenießbar. Bei Starbucks, der US-Kultmarke für Kaffee, ist das anders. Vom 25. Mai an ist Starbucks nun auch in Deutschland präsent, dann können die Berliner ihren ersten Latte Macchiato aus den weißen Bechern mit dem grünen Starbucks-Logo schlürfen. Am Brandenburger Tor und in den Hackeschen Höfen öffnen die ersten beiden Filialen hierzulande. Weitere Coffee-Shops sollen noch 2002 folgen.

Langfristig will Starbucks in ganz Deutschland expandieren. Für den Markteintritt gründeten die Amerikaner im Oktober vergangenen Jahres ein Joint Venture mit der KarstadtQuelle AG. An der daraus entstandenen Karstadt Coffee GmbH hält der Handelskonzern 82 %.

Noch sind Coffee-Shops in Deutschland ein Nischenmarkt. Nach Schätzungen des Deutschen Kaffee-Verbandes gibt es derzeit rund 400 Kaffee-Bars in Deutschland - vor allem in den Großstädten. Ihre Kennzeichen: eine Vielzahl von Kaffee-Spezialitäten, kleinen Snacks und Kaffee zum Mitnehmen ("coffee-to-go").

Die Läden unterscheiden sich vor allem konzeptionell. Italienische Anbieter wie Segafredo oder Lavazza bieten Espresso-Variationen wie Latte Macchiato und Cappuccino. Amerikanische Bars wie World Coffee setzten dagegen auf verschiedene Kaffeesorten mit Mandel-, Caramel- oder Himbeergeschmack. Statt Amarettini und Panini gibt es Bagels, Muffins und Donuts.

Starbucks will sich vor allem durch sein "Third Place-Konzept" von der Konkurrenz abheben. Gründer Howard Schultz prägte diesen Begriff, wonach die Kaffee-Bar zu einem "Lebensraum zwischen Büro und der eigenen Wohnung" werden soll. Gerade bei jungen Berufstätigen und Studenten zwischen 15 und 30 Jahren kommt das gut an.

Derzeit führen die italienischen Kaffee-Ketten Segafredo mit 81 Shops und Lavazza mit rund 36 Lizenznehmern den Markt an. World Coffee betreibt in Deutschland 21 Läden. Darüber hinaus gibt es viele Einzelkämpfer. Aber auch die großen Kaffeproduzenten haben den Trend erkannt und rüsten auf: Kraft Foods (Jacobs) betreibt unter der Marke J-Cups Kaffee-Bars, Nestlé hat im vergangenen Jahr sechs Café Nescafés eröffnet und Tchibo baut 300 Filialen zu Shops um.

Doch der große Kaffee-Bar-Boom steht noch bevor, prophezeit Hans-Georg Müller vom Kaffee-Verband. Schließlich sind die Deutschen große Kaffeefreunde, sie trinken jährlich rund 160 Liter davon - deutlich mehr als als Bier. Besonders der Verbrauch von Espresso ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Jede vierte Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, schenkt nach Angaben des Kaffee-Verbandes ein Café oder eine Bar aus.

Der Verband sieht langfristig ein Potenzial für rund 1 500 heimische Kaffee-Bars. Branchenexperte Philipp Keller, der die World Coffee-Kette mit aufbaute, schätzt das Marktvolumen auf bis zu eine Milliarde Euro.

Allein Starbucks will 1 450 Filialen in Deutschland eröffnen. Das sei eine unrealistische Zahl, meinen jedoch Experten. "Starbucks wird nicht den gesamten Markt alleine bedienen können", sagt Keller. Fest stehe, dass sich der Wettbewerb unter den Anbietern verschärfen werde. Dirk Hecking von der BBE-Unternehmensberatung erwartet, dass das Marktvolumen in den nächsten drei bis vier Jahren zunächst wachsen wird. Dann werde es zu einer Auslese unter den Kaffee-Bars kommen. Vor allem die Existenz von Bars mit konzeptionellen Schwächen sei dann bedroht. Bereits heute mangele es einigen Läden an einem optimalen Angebotsmix, einer klaren Zielgruppenansprache und guter Organisation wie schneller Bedienung, so Unternehmensberater Hecking. "Viele Kaffee-Bars haben ihr Konzept noch nicht gefunden", sagt auch Keller. Häufig seien die Standorte falsch gewählt. Um die Ladenmieten in den Top-Innenstadtlagen bezahlen zu können, müsse der Kaffee schon mindestens 600  000 Euro Umsatz im Jahr bringen.

Die meisten Kaffee-Bar Betreiber reagieren gelassen auf den bevorstehenden Markteintritt von Starbucks. "Wir haben ein ganz anderes Konzept", heißt es zum Beispiel bei Lavazza. Der Deutschland-Start von Starbucks werde der Branche einen weiteren Schub geben. Zudem erwarten die Betreiber einen branchenübergreifenden Imageaufbau für Kaffee. Davon profitierten alle - nicht nur die Coffee-Shops. Das hofft zumindest der Kaffee-Verband.

Quelle: Handelsblatt

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