Im nächsten Geschäftsjahr sollen wieder operative Gewinne eingefahren werden
Mitsubishi hat in Europa sportliche Ziele

Die Produktpalette ist ausgedünnt, das Image diffus und die Branchensituation schlecht. Unter diesen Vorzeichen soll die Europa-Tochter von Mitsubishi im kommenden Jahr wieder Gewinne erzielen. Mit einer Gratwanderung zwischen Spar- und Aufbaumaßnahmen will das Management dies erreichen.

hof HB FRANKFURT/M. Was der Mutterkonzern schon geschafft hat, ist für die Tochter noch ein Ziel: Während Japans fünftgrößter Autobauer Mitsubishi Motor Co (MMC) im Geschäftsjahr 2001/2002 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist, will die Europa-Tochter Mitsubishi Motors Europe BV diesen Weg im nächsten Jahr beschreiten. Leicht wird es für die neue Spitze um den ehemaligen VW-Manager Stefan Jacoby nicht. Denn der europäische Markt wurde von den Japanern zuletzt vernachlässigt, räumt selbst Jacoby ein: So wurde der Diesel-Boom zu spät erkannt, und Jacoby übernahm die Führung einer Marke mit einer lückenhaften Angebotspalette, die erst über Jahre komplettiert werden kann.

Neue Modelle stehen ab 2004 bereit

Ab 2004 werden die ersten völlig neuen Modelle bei den Händlern stehen. Das Ziel, operative Gewinne zu erzielen, will der 44-jährige Jacoby dennoch früher erreichen - ohne Erhöhung der Verkaufszahlen. Das wird auch notwendig sein, denn neben dem Geländewagen Pajero und einer Van-Familie fehlen Mitsubishi die Zugpferde. Erst wenn im Frühjahr 2004 ein komplett neu entwickelter Kompaktwagen auf den Markt kommt, sollen die Verkaufszahlen wieder deutlich steigen. Bis zu 100 000 der neuen Kompaktautos will Jacoby jährlich in Europa absetzen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat Mitsubishi insgesamt in der Region 213 000 Autos verkauft, in diesem Jahr dürften es kaum mehr werden, zumal die Zulassungszahlen in Westeuropa deutlich sinken. Mit neuen Angeboten in der Mittelklasse und in Nischen will Jacoby ab 2005/2006 schließlich in die Offensive gehen.

Unterstützung aus Japan ist gewiss

Unterstützung aus der Zentrale dürfte der europäischen Tochter, die in Schiphol bei Amsterdam residiert, gewiss sein. In Japan steht schließlich mit dem von Daimler-Chrysler entsandten Rolf Eckrodt seit diesem Sommer ein Manager an der Spitze, der den europäischen Markt kennt. Eckrodt soll den hinter Toyota, Honda, Nissan und Suzuki rangierenden japanischen Automobilhersteller auf Rendite trimmen und die hohe Verschuldung, unter der auch die Tochter leidet, zurückfahren. Die Entsendung Eckrodts ist nur ein Zeichen dafür, dass Daimler-Chrysler - mit 37,3 % an MMC beteiligt - das Unternehmen enger an sich binden will. Als nächster Schritt wird noch in diesem Jahr die Ausgliederung der Mitsubishi-Nutzfahrzeugtochter Fuso erwartet, die dann bei Daimler-Chrysler integriert werden könnte.

Runderneuerung für Mitsubishi Europa

Bis die Pkw-Modelloffensive Europa erreicht, will Jacoby die europäische Mitsubishi runderneuert haben. "Wenn wir es schaffen, mit einer nicht optimalen Produktpalette die Gewinnschwelle zu erreichen, dann schaffen wir das in Zukunft erst recht", gab sich Jacoby in einem Gespräch mit dem Handelsblatt kämpferisch. Einen Teil des Weges hat er bereits hinter sich. Der Jahresverlust von zuletzt 134,9 Mill. $ soll im laufenden Jahr deutlich geringer ausfallen, die Zahl der Mitarbeiter wurde um rund ein Fünftel reduziert, auf 15 bis 20 % beziffert Jacoby die jährliche Kostenersparnis. 2005 will er schließlich 300 000 Autos in Europa verkaufen, die Schulden will er bereits ab 2003 zurückfahren.

Etwas länger wird es dauern, die Marke Mitsubishi wieder eindeutig zu positionieren: Europaweit harmonisieren und emotionalisieren lautet Jacobys Marschroute: "Wir müssen unseren Produkten eine Seele geben", fasst er zusammen. Für "Design, clevere Technik und innovative Konzepte" soll Mitsubishi stehen. Geprägt durch die Erfolge im Rally-Sport würden den Autos heute schon Zuverlässigkeit und Qualität attestiert. "Die Marke hat ein gutes Potenzial" glaubt der Europa-Chef. Flankieren will Jacoby die Produkt- und Marketingoffensive durch einen Ausbau des Händlernetzes. Dabei kann er sich Allianzen mit anderen Daimler-Chrysler-Marken durchaus vorstellen.

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