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Im Nahost-Konflikt droht weitere Eskalation

Israels Sicherheitsminister Uzi Landau schloss in New York einen "uneingeschränkten Kampf" gegen die Palästinenser nicht mehr aus.

rtr GAZA-STADT. Im Nahost-Konflikt droht eine weitere Eskalation der Kämpfe zwischen der israelischen Armee und den Palästinensern. Israels Sicherheitsminister Uzi Landau schloss in New York einen "uneingeschränkten Kampf" gegen die Palästinenser nicht mehr aus. Ein Berater des Palästinenser- Präsidenten Jassir Arafat sagte am Donnerstag, die Angriffe Israels seien ein Ausdruck des Wahnsinns von Ministerpräsident Ariel Scharon. Sie würden die Palästinenser in ihrem Kampf aber nur bestärken und letztlich zum Fall Scharons führen. Am Vortag hatten Hubschrauber wieder palästinensische Einrichtungen im Gaza-Streifen und im Westjordanland mit Raketen beschossen.

Landau bezeichnete in einem Gespräch mit Reuters-TV die bisherigen israelischen Militäraktionen gegen die Palästinenser als reine Selbstverteidigung. Die Palästinenser-Regierung habe den Weg der Gewalt gewählt, um Israel zu Zugeständnissen zu zwingen. Israel werde seine Selbstverteidigung intensivieren, sagte er und fügte hinzu: "Ich glaube, letztlich werden wir sie an allen Fronten bekämpfen müssen." Arafats Berater Ahmed Abdel-Rahman sagte: "Scharons Wahnsinn könnte ihn noch zu dem Versuch verleiten, wieder eine oder zwei palästinensische Städte zu besetzen, um die Intifada (den Aufstand) zu stoppen. Ein solches Abenteuer würde ihn aber politisch ins Grab bringen, würde zu seinem Fall führen. Bombardements, Mordanschläge und die Wiederbesetzung von palästinensischen Städten würden die Entschlossenheit der Palästinenser nur verstärken, die Besetzung zu beenden und die jüdischen Siedler zu vertreiben." Der neue ägyptische Außenminister Ahmed Maher warf Israel vor, es wolle mit seinen Angriffen auf die Sicherheitskräfte die Palästinenser-Regierung zerbrechen, denn die Sicherheitskräfte seien das Fundament jeder Regierung.

Am Mittwochabend hatten israelische Kampfhubschrauber eine palästinensische Polizei-Einrichtung im Flüchtlingslager Dschabalja im Norden des Gaza-Streifens mit Raketen beschossen. Nach Angaben von Ärzten wurden dabei mindestens 14 Menschen verletzt. In dem Lager leben rund 86 000 Palästinenser. Außerdem feuerten israelische Kampfhubschrauber etwa sieben Raketen auf das Polizeihauptquartier in Dschenin im Westjordanland ab. Es kam zu einem Stromausfall, der die Stadt mit rund 30 000 Einwohnern in Dunkelheit tauchte.

In dem Gebäude in Dschenin sollen nach israelischen Angaben Waffen und Werfer-Granaten hergestellt worden sein. Ein palästinensischer Parlamentarier sagte jedoch, dies sei eine Lüge. Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen galt der Angriff offensichtlich einer Einrichtung, die für die Wartung der Polizeiwaffen zuständig ist. In Dschabalja versammelten sich rund 5000 Menschen zu einer spontanen Protestkundgebung. "Rache, Rache, Rache!", riefen sie und "Es lebe der Tod!" Seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September sind bereits über 500 Menschen getötet worden, in der Mehrzahl Palästinenser. Die Zahl der Verwundeten geht in die Tausende.

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