Im Notfall auch Schließung des Internet-Buchhändlers
Bertelsmann will BOL möglichst schnell verkaufen

Bertelsmann zieht sich vom E-Commerce in Europa zurück. Der Medienkonzern will den Internet-Buchhändler BOL (Bertelsmann Online) in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und in Schweden aufgeben.

DÜSSELDORF. "Wir werden versuchen, BOL so bald als möglich zu verkaufen. Nur im äußersten Notfall kommt eine Schließung in Frage", sagte Ewald Walgenbach, Chef der Direct-Group, dem Handelsblatt. Er habe mit bereits mit Jeff Bezos, Gründer und Chef des Internetwarenhauses Amazon gesprochen.

Vor allem für die deutsche Bol-Tochter mit zuletzt 15 Mill. Euro Verlust gibt nach Meinung von Branchenbeobachtern nicht gerade viele Bewerber. Besser sieht die Situation in den Niederlanden aus. Dort musste BOL einen Verlust von nur 10 Mill. Euro hinnehmen.

Walgenbach, der vor vier Wochen den gescheiterten Klaus Eierhoff ablöste, will bereits bis Ende 2003 die Direct-Group mit einem Umsatz von 3,1 Mrd. Euro aus den roten Zahlen holen. Die Direct-Group, in der das Clubgeschäft und der E-Commerce gebündelt sind, wird trotz der Strategieänderung weiter an dem im Joint--Venture betriebenen BOL-Geschäft in Italien und China festhalten. Das gilt auch für den elektronischen Handel in den USA. Weder der Internetmusikclub CDnow, der in den Musikclub BMG Musicservice integriert ist, noch die Beteiligung an Barnesandnoble.com in Höhe von 36,2 Prozent würden verkauft, teilte Gütersoh mit.

Der E-Commerce spielt für die Direct-Group mit einem Anteil von 4 % am Gesamtumsatz nur eine periphere Rolle. Der harte Schnitt, den Walgenbach vollzieht, genießt offenbar die Unterstützung des neuen Vorstandsvorsitzenden Gunter Thielen. Denn die noch von Eierhoff betriebenen Integration in die lokalen Clubgeschäfte im Mai 2001 erhofften Synerigeerwartungen seien weit unter den Erwartungen. Walgenbach sagte zu den 1999 gegründeten E-Commerce-Ablegern: "Die Verluste bei BOL waren zu hoch, um noch weiter abzuwarten." Er will am Internet als Verkaufsplattform festhalten, solange es in die Clubs integriert ist. "Das Internet spielt auch weiterhin eine Rolle. Als Instrument der Kundenkommunikation ist es unerlässlich. Schon jetzt machen wir in Deutschland knapp 5 % des Umsatzes über Club-Homepage", so der 43-Jährige.

In einer Mitarbeiterversammlung von BOL Deutschland in München erklärte Wulf Böttger, Geschäftsführer des deutschen Clubs, zusammen mit dem BOL-Chef Arndt Roller den knapp 50 Angestellten die Kehrtwendung des Konzerns.

BOL ist in Deutschland nach Amazon die Nummer zwei, in den Niederlanden und Schweden sogar die Nummer eins. Im Geschäftsjahr 2000/01 haben die Buch- und Musik-Clubs über das Internet 75 Mill. Euro Umsatz erzielt. BOL erreichte im gleichen Zeitraum einen Gesamtumsatz von knapp 100 Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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