Im Osten stärkerer Nachfrageanstieg
Industrieaufträge im August unerwartet gestiegen

Der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist im August überraschend deutlich gestiegen. Volkswirte wiesen aber darauf hin, dass die Zahlen wegen der veränderten weltwirtschaftlichen Situation nach den Anschlägen vom 11. September nur eingeschränkte Aussagekraft hätten.

Reuters BERLIN. Die Orders hätten im August ausschließlich wegen der gestiegenen Inlandsaufträge preis- und saisonbereinigt um 1,4 % zugenommen nach einem Minus von revidiert 1,5 % im Juli, teilte das Bundesfinanzministerium (BMF) am Freitag in Berlin mit. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Anstieg von 0,1 % zum Vormonat prognostiziert. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni verringerte sich die Zahl der Aufträge um 2,0 %.

Analysten zufolge signalisieren die Zahlen, dass die deutsche Industrie vor den Anschlägen in den USA ihren Tiefststand bereits überwunden haben könnte. Der Ausblick habe sich jedoch danach durch die Anschläge und die weltwirtschaftliche Entwicklung deutlich verschlechtert, sagte Volker Nitsch, Volkswirt der Bankgesellschaft Berlin. "So wie es aussieht, werden wir im September und Oktober schlechte Zahlen bekommen", sagte Nitsch. Entscheidend werde nun sein, ob sich die abzeichnende Erholung nur um einige Monate nach hinten verschiebt oder ob es eine nachhaltige Verschlechterung gibt. Auch Ulla Kochwasser von IBJ International maß den Daten keine große Bedeutung zu. "September und Oktober-Daten werden sehr viel wichtiger sein, um die Folgen (der Anschläge in den USA) abzuschätzen", sagte Kochwasser. "Trotzdem sind zwei aufeinander folgende Anstiege der Inlandsnachfrage ziemlich positiv."

Das BMF führte den Auftragsanstieg im August auf die im Monatsvergleich um 2,7 % gestiegene Zahl der Inlandsaufträge zurück (Juli: plus 1,0 %). Die Auftragsvergabe aus dem Ausland habe um 0,1 % abgenommen. Von den verschiedenen Sparten verzeichneten den deutlichsten Gesamtzuwachs die Investitionsgüterproduzenten mit 2,4 % - hier stieg die Inlandsanfrage sogar um 7,0 %. Ulla Kochwasser bezeichnete besonders den Anstieg der Investitionsgüter als positives Zeichen. Die Konsumgüterproduzenten dagegen bekamen nach BMF-Angaben 1,5 % weniger Aufträge als im Juli. Der Anstieg der Aufträge sei mit 4,2 % in den neuen Bundesländern stärker ausgefallen als im früheren Bundesgebiet mit 1,2 %.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen die Neuaufträge im Zeitraum Juli/August den Angaben zufolge um 2,9 % zurück. Auf Basis von Bundesbank-Daten ergibt sich für August nach Reuters-Berechnungen zum Vorjahr ein Minus von 4,6 % nach einem Minus von revidiert 4,5 % im Juli. Analysten hatten hier einen Rückgang um 5,5 % erwartet.

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