„Im Prinzip leiht man sich sein eigenes Geld“
Lebenpolicen zu Geld machen

Rund 86 Millionen Leben- und Rentenpolicen haben deutsche Sparer. Jeder zweite Vertrag wird aber vor Laufzeitende gekündigt. Eine Alternative zur Kündigung ist das Policendarlehen. Es kann sich lohnen, um kurzfristig einen Finanz-Engpass zu überbrücken.

DÜSSELDORF. Es ist eine Art, an Geld zu kommen, die nur wenige kennen. Und es kann eine elegante Möglichkeit sein, die sonst sehr illiquide Kapitallebensversicherung kurzfristig flüssig zu machen. Die Rede ist vom Policendarlehen.

"Im Prinzip leiht man sich sein eigenes Geld", sagt Karl Eberhardt, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater. Denn der Kreditnehmer verpfändet seine Lebensversicherung. Angesichts dieser Tatsache ist die Spanne der berechneten Zinsen sehr groß. Sie reicht von 6 % - etwa der Größenordnung von Hypothekenzinsen - bis zu rund 9 %.

Beim Marktführer Allianz Leben zum Beispiel beschaffen sich nach Angaben des Unternehmens monatlich zwischen 2 500 und 3 000 Kunden Geld über ein Policendarlehen. Im Verhältnis zu den 9,3 Millionen Verträgen der Allianz Leben nutzen also nicht einmal vier von tausend Kunden diese Möglichkeit.

Immerhin addiert sich die Darlehenssumme bei den Stuttgartern auf rund 719 Mill. Euro. Wer seine Lebensversicherung mit einem Policendarlehen anzapfen will, muss allerdings bereits ein paar Jahre darauf eingezahlt haben. Denn die Bezugsgröße für den Kredit ist der Rückkaufswert, also das Geld, das die Versicherung bei einer vorzeitigen Kündigung auszahlen würde. Das Problem: Die Versicherer ziehen von den ersten Beiträgen die Vertreterprovisionen ab, es dauert daher oft mehrere Jahre, bis die Police einige tausend Euro wert ist.

Der potenzielle Kreditnehmer sollte sich daher zunächst bei seiner Versicherung nach dem aktuellen Rückkaufswert erkundigen. Viele Assekuranzen bieten maximal 90 % des Rückkaufswerts als Darlehen an. Die Kreditsumme ist dabei variabel, kleinere oder größere Beträge sind möglich. Die Laufzeit ist nicht fixiert und endet mit der - prinzipiell jederzeit möglichen - Rückzahlung des Darlehens oder dem Ende der Vertragslaufzeit. Auch der Zins ist variabel. Allerdings haben viele Anbieter die Konditionen seit Jahren nicht mehr verändert.

Für wen lohnt sich ein Policendarlehen? Versicherungsberater Eberhart empfiehlt: "Ein Policendarlehen ist nur ratsam, um den kurzfristigen Kapitalbedarf zu decken." Beispiel: Ein Anleger braucht 10 000 Euro, kann das Geld aber in einem halben oder einem Jahr zurückzahlen. "Über längere Zeiträume ist es weniger sinnvoll. Denn der Versicherer verlangt garantiert mehr Zinsen, als er mir auf meinen Vertrag bezahlt. Diese Rechnung geht auf Dauer nicht auf."

So hat, um beim Beispiel zu bleiben, die Allianz Leben die Verzinsung der Lebensversicherungen zum Jahresbeginn von 7,5 auf 6,8 % gesenkt. Ihr Zins für Policendarlehen beträgt dem gegenüber 7,25 % effektiv. Wenn man berücksichtigt, dass die Versicherer die Guthabenzinsen nur auf der Sparanteil der Policen zahlen - also auf die Beiträge abzüglich der Kosten für Vertrieb, Verwaltung und das Todesfallrisiko - wird die Kluft noch größer.

Wer bei Zahlungsschwierigkeiten allerdings seine Kapitallebenspolice kündigt, wie das oft der Fall ist, macht meist ein Minusgeschäft. Denn die versprochene Rendite kommt nur zustande, wenn der Versicherungsnehmer bis zum Ende der Laufzeit durchhält. Statt der Kündigung wäre womöglich ein Policenkredit die günstigere Alternative. Wenn der Kunde sich von der Versicherung neben Rückkaufswert und Zinssatz die voraussichtliche Ablaufleistung nennen lässt, kann er sich ausrechnen lassen, womit er besser fährt. Allerdings muss er berücksichtigen, dass die Auszahlung am Ende der Laufzeit auch geringer ausfallen kann, da die Ablaufleistung nicht garantiert ist.

Max Herbst, Chef der FMH-Finanzberatung, resümiert: "Wer für kurze Zeit Geld braucht, kann sich mit einem Policendarlehen unproblematisch Geld leihen."

Quelle: Handelsblatt (21.05.2002)

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