Im Prozess vernommen
Eschede-Lokführer: Habe Entgleisung nicht bemerkt

Er habe lediglich einen Ruck gespürt, dann bremste der Zug automatisch. Der Lokführer bereitete den Zug auf die Weiterfahrt vor, als der Fahrgastleiter kam: "Du bist entgleist."

ddp CELLE. Der Lokführer des in Eschede verunglückten ICE-Zuges hat die Katastrophe offenbar nicht bemerkt. Er habe einen Ruck gespürt, worauf hin eine automatische Zwangsbremsung des Zuges eingeleitet worden sei, berichtete der 61-Jährige am Mittwoch vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichtes Lüneburg. Anschließend habe er versucht, den Triebkopf wieder unter Strom zu nehmen und seine Fahrt fortzusetzen. In diesem Moment sei allerdings der Fahrgastleiter zu ihm gekommen und habe gesagt: "Du bist hier allein vorbei gefahren. Du bist entgleist", berichtete der Zeuge.

Der Lokführer hatte den Intercity Express in Kassel von einem Kollegen übernommen. Seiner Zeugenaussage zufolge musste er in Celle wegen einer Baustelle die Geschwindigkeit auf 90 Stundenkilometer drosseln. Anschließen habe er den Zug wieder auf etwa 180 Stundenkilometer beschleunigt. Die automatische Zugsteuerung LZB, eine Art Autopilot für Eisenbahnen, habe dann Tempo 200 angezeigt. Wo genau im Bereich des Bahnhof von Eschede er den Ruck verspürt habe, vermochte der Zeuge nicht zu sagen. Er habe zu dem Zeitpunkt nicht aus dem Fenster gesehen. "Ich musste die Instrumente beobachten", sagte der inzwischen pensionierte Lokführer.

Für den Prozess in Celle sind vorerst 22 Verhandlungstage angesetzt. Die Anklage wirft drei Ingenieuren fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung aufgrund mangelnder Sorgfalt vor. Bei der Katastrophe von Eschede im Jahre 1998 waren 101 Menschen ums Leben gekommen und 105 verletzt worden.

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