Im Schlussquartal Marktanteile verloren
Abschwächung des Handybooms verunsichert Siemens-Aktionäre

dpa-afx MÜNCHEN. Die Konjunkturwolken über den High-Tech-Branchen haben trotz neuer Rekordgewinne auch die Siemens-Aktionäre verunsichert.

Bei der Hauptversammlung am Donnerstag in München lobten sie zwar einmütig den Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer für den radikalen Konzernumbau der letzten Jahre. Die Ungewissheit über die Entwicklung im Handygeschäft warf jedoch viele Fragen auf. Eine Absatzprognose wollte Pierer aber für das Mobilfunkgeschäft nicht abgeben. Stattdessen konnte er den rund 9 000 Aktionären aber eine milliardenschwere Akquisition für das boomende Breitbandgeschäft präsentieren.

Geringere Wachstumsraten und sinkende Margen

"Wie viele Handys will Siemens in diesem Jahr verkaufen?", fragten gleich mehrere Anteilseigner. Gerade erst hat Siemens bei Handys den Anschluss an die Großen der Branche gefunden, da verringern sich die Wachstumsraten und sinken die Margen. "Offenbar hat das Weihnachtsgeschäft die Erwartungen der Betreiber und des Handels nicht ganz erfüllt, so dass dort größere Bestände entstanden sind", sagte Pierer. Einst hatte der Konzern verkündet, den Handy-Absatz im laufenden Jahr auf 48 Mill. Stück verdoppelt zu wollen. Mittlerweile ist davon nicht mehr die Rede.

Im Schlussquartal hat Siemens Marktanteile verloren

Der Markt sei schwieriger geworden, räumte Pierer ein. Im Schlussquartal 2000 habe Siemens leicht Marktanteile verloren. "Wir wollen auch hier nicht Wachstum um jeden Preis." Um den Absatz aber weiter anzukurbeln, hielt Pierer bei der Hauptversammlung das neueste Modell in die Höhe, pries seine technischen Fähigkeiten und rief den Aktionären zu: "Ich kann Ihnen den Kauf nur empfehlen."

Auch im wichtigen Automatisierungsgeschäft zeichne sich eine Abschwächung ab, meinte der Konzernchef. Für das Gesamtjahr hält er aber dennoch an der Prognose fest: Der Umsatz solle zweistellig wachsen bei einem überproportionalen Ergebnisplus. An der Börse notiert die Siemens-Aktie derzeit allerdings trotz zahlreicher Erfolgsnachrichten deutlich unter dem Wert bei der letzten Hauptversammlung, als der Kurs auf etwa 190 Euro kletterte. Am Donnerstagmittag lag er bei 131 Euro.

Die rasante Talfahrt der Technologie-Aktien an den Weltbörsen hat für Siemens aber auch ihr gutes. Denn viel stärker traf es die Kleinen der Branche. Siemens nutzt jetzt die Gunst der Stunde und übernimmt die US-Firma Efficient Networks, eines der führenden Unternehmen in der boomenden Breitbandtechnologie. 1,5 Mrd. $ will der größte deutsche Elektrokonzern auf den Tisch legen.

Noch im Mai 2000 wäre der Kauf wohl mehr als zehn Mal so teuer gekommen. Der Efficient-Aktienkurs ist seither von mehr als 180 auf zuletzt nur noch rund 13 $ gefallen. Siemens bietet den Aktionären jetzt 23,50 $.

Siemens will durch "Perlenketten"-Strategie wachsen

Mit großen Akquisitionen im Internet- und Telekommunikationsmarkt hatte sich Siemens lange Zeit zurückgehalten. Stattdessen propagierte der Konzern eine "Perlenketten"-Strategie, bei der auf kleinere Zukäufe gesetzt wurde. Von Analysten sei man ob der Zurückhaltung gescholten worden, sagte der zuständige Vorstand Roland Koch. Das Warten habe sich jedoch gelohnt. Bei DSL werden die Kupfertelefonleitungen für die Übertragung von Daten, Sprache und Video mit hoher Geschwindigkeit genutzt.

Pierer konnte den Aktionären in der Münchner Olympiahalle wieder ein stolzes Zahlenwerk präsentieren. Im Geschäftsjahr 1999/2000 (30. September) konnte der Konzern den Gewinn nach Steuern um 81 % auf 3,38 Mrd. Euro steigern. Unter anderem aus den Börsengängen von Infineon und Epcos flossen außerdem Erträge von 4,52 Mrd. Euro in die Kassen. "Die Aktionäre können zufrieden sein", räumte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ein. Noch vor zwei Jahren hatte sie vor dem radikalen Konzernumbau Pierer den Rücktritt nahe gelegt.

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