Im Segment der Billigflieger ist die Welt noch in Ordnung
Boeing gilt als Favorit für einen Milliarden-Auftrag von Easyjet

Ein Milliardenauftrag der britischen Fluggesellschaft Easyjet könnte die weltgrößten Flugzeugbauer Airbus und Boeing aus ihrer Lethargie wecken.

ebe DÜSSELDORF. Die von London aus operierende Billig-Airline treibt ungeachtet der weltweiten Branchenkrise ihren Expansionskurs voran und verhandelt deshalb mit beiden Anbietern über den Kauf von 75 neuen Flugzeugen.

Die Entscheidung soll zwischen Maschinen des Typs Boeing 737-700 und Airbus A319 fallen. Allerdings gilt Boeing beim Verkauf der 150-Sitzer als klarer Favorit: "Unser Plan ist es, bis Mai 2004 weitere 25 Boeing 737-700 zu kaufen", hatte Easyjet-Chef Ray Webster schon im vergangenen Oktober erklärt. In Branchenkreisen wird deshalb erwartet, dass Easyjet den Boeing-Erzrivalen Airbus nur ins Boot holte, um die Flugzeugbauer gegeneinander auszuspielen und angesichts der Branchenkrise Preisnachlässe von deutlich mehr als 10 % heraus zu holen. Der Zweikampf um den großen Deal wird in gewohnter Härte geführt, immerhin beläuft sich der Listenpreis der Bestellung auf knapp 4 Mrd. $.

Einst belächelt, sind Billigfluggesellschaften inzwischen wichtige Kunden der Flugzeugbauer, weil sie trotz der Konjunkturflaute kräftig weiter wachsen. Nach der irischen Ryanair ist Easyjet mit rund sieben Millionen Passagieren die Nummer zwei in Europa. 75 neue Maschinen sind kein Pappenstiel - zumal in einer Phase, in der die Luftfahrtbranche den schlimmsten Einbruch ihrer Geschichte beklagt. "Man muss davon ausgehen, dass die 75 Easyjet-Flieger der größte Einzelauftrag in diesem Jahr werden. Ansonsten dürfte es in 2002 eher mau aussehen", sagte ein Boeing-Sprecher.

Für den US-Konzern spricht in erster Linie, dass Easyjet bisher bereits mit einer Boeing-Einheitsflotte unterwegs ist. Zu den wichtigsten Erfolgsrezepten der Billigflieger gehört es, ausschließlich den Flugzeugtyp einer Baureihe zu fliegen, um anfallende Wartungskosten und den Aufwand für Pilotentraining niedrig zu halten. Man sei deshalb nur bereit auf Airbus umzusteigen, wenn dies langfristig "einen substanziellen Vorteil für die Aktionäre" bedeute, sagte Easyjet-Chef Webster.

Während Boeing auf sein bewährtes und bei vielen Billig-Airlines beliebtes Modell B737-700 setzt, spielt der Herausforderer Airbus - wie schon im Kampf um den künftigen Super-Jumbo - mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit: "Wir sind effizienter, weil unsere Flugzeuge moderner sind", sagte ein Airbus-Sprecher in Toulouse. Der Erfolg des US-Billigfliegers Jetblue Airways zeige, dass die A319 auch für Low-Cost-Airlines eine profitable und zuverlässige Alternative sei. Die New Yorker Airline fliegt in der Heimat des US-Riesen Boeing ausschließlich mit Airbus-Maschinen.

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