Im Silicon Valley rollt der Dollar wieder
In der Luft halten

Im Sillicon Valley ist die neueste Runde einer Megalotterie im Gange. Internetfirmen schießen wie Pilze aus dem Boden, Investoren reißen sich um sie. Das Spiel heißt: "Wer wird Milliardär?"
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DÜSSELDORF. Beim Aufnahmetest für eine Internet-Boygroup hätte Johannes Ziegler keine Chance. Im Jugendwahn von Silicon Valleys Internet-Branche gilt jeder über 35 als steinalt. Ziegler ist 41. Der Schweizer hat eine Denkerstirn, schüttere Haare, lebt seit zwölf Jahren im High-Tech-Tal südlich von San Francisco. Zu Hause erwarten ihn fünf Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren. Trotzdem hat der ehemalige McKinsey-Berater das, wovon viele im Silicon Valley träumen: Ein eigenes Startup mit einflussreichen Beratern im Aufsichtsrat. Ziegler zieht seit zwei Jahren parallel in den USA und Europa ein Internet-Angebot für "Erwachsene" hoch. Für Leute, die sich nicht mit Schampusflasche, Badehose oder Bikini im Internet zeigen wollen, sondern online über Hobbys, Kindererziehung, den fähigsten Klempner oder das beste Motorradgeschäft fachsimpeln. 5 000 Mitglieder hat er bislang gewonnen. Das Startup heißt - hm, nun ja - Miaplaza.

Das klingt wie das megaerfolgreiche Myspace, das sich Medienzar Rupert Murdoch im Juli 2005 für 580 Millionen Dollar einverleibte. "Ich schwöre, das kannten wir damals nicht", beteuert Ziegler. Ganz ohne junges Blut kommt auch er nicht aus. Seine Geheimwaffe ist Julian Rüth. Der heute 24-Jährige gewann vor fünf Jahren den Bundeswettbewerb für Informatik, er war Coach des deutschen Teams für die Internationale Informatik-Olympiade. Ihn hat Ziegler extra ins Silicon Valley geholt: "Der Mann ist phänomenal."

Rüth kommt in die gelobte Region, in der das Startup-Fieber wieder heftigst grassiert und Leute mit seinen Fähigkeiten wie Profisportler gehandelt werden. Vergessen sind die Auswüchse des ersten Internet-Booms. Das Tal der Tränen hat sich wieder zum Tal der Träume gewandelt - Gespinste mit einem großen Dollar-Zeichen vorweg und vielen Nullen hintendran. Der angeschmuddelte Begriff Dot.com ist out, Web 2.0 ist in. Das suggeriert den Neustart einer besseren Variante. Und das Internet boomt. Vor allem fallen die Kosten für den Internet-Anschluss und der Zugang wird schneller. Das erlaubt ganz neue, grafik- und videoschwere Dienste oder das Verlagen von Programmen wie Textverarbeitung oder E-Mail-Verwaltungssoftware ins Internet. Das Publizieren eigener Text, Fotos oder Videos ist so leicht geworden, dass jedermann damit zurechtkommt.

Die interessantesten Ideen werden auf Partys gehandelt, die Leute wie Michael Arrington ausrichten. Der Anwalt schreibt TechCrunch und erzählt in diesem Blog das Internet-Tagebuch über die heißesten Startups, in die er oft auch selber investiert. Es war Arrington, der als Erster über die geplante Milliardenübernahme der Videoseite Youtube durch Google berichtete, dem jüngsten Superdeal des Silicon Valley.

Ein Merkmal dieser neuen Web-Welle ist, dass sie ihren Ursprung nicht mehr allein im Silicon Valley hat. Besonders in den Ländern Asiens und Europas - darunter auch Deutschland -, die mit einer weiten Verbreitung schneller Internet-Anschlüsse und günstigen Pauschaltarifen glänzen, entstehen neue Web-Communities, die von dort ihre Expansion in andere Länder vorantreiben. Doch das weltweite Zentrum der Bewegung liegt auch diesmal in Kalifornien.

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