Im Sinne der Wirtschaftlichkeit
Ärzte bekommen Überblick über Arzneiverordnungen

Ärzte sollen künftig schneller Daten für eine qualitätsgesicherte und wirtschaftliche Verordnung von Arzneimitteln bekommen. Die Krankenkassen liefern ihnen ab sofort einen monatlichen Überblick, wie viele Medikamente sie einzelnen Patienten verschrieben haben und wie sie damit im Vergleich zu Kollegen abschneiden.

HB/dpa BERLIN. Die für das neue Verfahren federführenden Betriebskrankenkassen (BKK) warnten am Dienstag jedoch vor übertriebenen Hoffnungen auf Spareffekte. "Wir wären schon zufrieden, wenn im laufenden Jahr ein Abbremsen des Steigerungstrends möglich wäre", sagte BKK-Chef Wolfgang Schmeinck in Berlin.

Im vergangenen Jahr gaben die gesetzlichen Krankenkassen 23,4 Mrd. ? für die von Ärzten verordneten Medikamente aus. Das waren fünf Prozent mehr als 2001. Ohne mehrere Sparmaßnahmen des Gesetzgebers - wie Solidarbeitrag der Pharmaindustrie und erhöhter Apothekenabschlag - hätten die Ausgaben sogar 24 Mrd. ? (plus 7,5 %) erreicht, sagte Schmeinck. Im laufenden Jahr setze sich diese Entwicklung "ungebremst" fort.

Seit Jahren hatten die Ärzte von den Kassen verlangt, den einzelnen Medizinern schneller Vergleichsdaten zu liefern, um wirtschaftlichere Verordnungen zu ermöglichen. Bisher dauerte es allerdings mindestens sechs Monate, bis bekannt war, was ein Arzt verordnet hatte und was es kostete.

Ab sofort erhält jeder Arzt etwa zehn Wochen nach der Verordnung einen elfseitigen Bericht. Daraus erfährt er Anzahl, Umsätze und prozentuale Verteilung seiner Rezepte im Vergleich zu seiner Fachgruppe und zum Vormonat. Ergänzt wird der Bericht um Hinweise auf preisgünstige Generika und Festbetrags-Arzneien sowie auf teurere Präparate. "Damit kann der Arzt sein eigenes Verordnungsverhalten in Vergleich zu seiner Arztgruppe setzen und gegebenenfalls eigenes unwirtschaftliches Verordnen beenden", sagte Schmeinck.

Die ersten Berichte liegen für Januar 2003 vor. Sie betreffen 86 000 Ärzte und 1,9 Mrd. ? Ausgaben. 60 Mill. Verordnungen wurden ausgewertet. Übereinander gelegt ergäben sie einen "Rezeptblock" von vier Kilometern Höhe.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) begrüßte die beschleunigte Datenlieferung. Ihr zweiter Vorsitzender Leonhard Hansen meldete aber ebenfalls Zweifel an, ob hohe Einsparungen möglich sind. Die Krankenkassen rechnen für die Berichte mit jährlichen Kosten von rund 920 000 ?.

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