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Im Sinne von Braun: Zwanziger sieht mehr als das 1:0

Die herzlichste Umarmung kam von „Pater“ Braun. Als Theo Zwanziger beim Bundestag in Osnabrück als neuer geschäftsführender Präsident des DFB feststand, sah Ehrenpräsident Egidius Braun sein Erbe in den besten Händen.

dpa OSNABRÜCK. Die herzlichste Umarmung kam von "Pater" Braun. Als Theo Zwanziger beim Bundestag in Osnabrück als neuer geschäftsführender Präsident des DFB feststand, sah Ehrenpräsident Egidius Braun sein Erbe in den besten Händen.

"Der Fußball hat eine ganz große Stärke, diese ungeheure Integrationskraft aller Schichten der Bevölkerung", nannte der 59 Jahre alte Zwanziger die Grundlage seiner Philosophie. "Fußball ist mehr als ein 1:0", hatte Braun einst die große gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung des größten Sportfachverbandes der Welt auf seine Art beschrieben. Und als die Amateur-Verbände forderten, dem ihrer Meinung nach kritikwürdigen Gerhard Mayer-Vorfelder zumindest einen gleichberechtigten Mann an die Seite zu stellen, war der einstige Koblenzer Regierungspräsident bereit.

Allerdings stellte Zwanziger klar, dass er sich keineswegs nur als Amateur-Präsident sieht. Viel mehr wolle er in den kommenden Monaten bis zum September 2006 vor allem für den Ausgleich im Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgen: "Ich habe nicht die Absicht, mich mit klugen Sprüchen in die Bundesliga-Angelegenheiten einzumischen. Ich will aber auch kein Ober-Guru der Landesverbände sein." Zwanziger sieht sich als Teil "einer erträglichen Übergangslösung", um den deutschen Fußball bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Land vor anhaltendem Theater zu bewahren. "Die Doppelspitze ist gewiss eine ungewöhnliche Lösung, aber eine notwendige", meinte Zwanziger.

Für den verheirateten Vater von zwei Söhnen begann der Weg an die DFB-Spitze in seinem Heimatverein VfL Altendiez, dem er noch heute als 2. Vorsitzender die Treue hält. Bis 1975 schnürte er in der 2 500-Einwohner-Gemeinde selbst die Fußballschuhe, ehe er über den Verband Rheinland 1992 in den Vorstand des DFB kam. Dort kümmerte er sich zunächst vor allem um soziale Fragen, wurde geprägt von der Zusammenarbeit mit Braun. 2001 übernahm Zwanziger die Geschäfte als DFB-Schatzmeister und arbeitete meist außerhalb der Öffentlichkeit.

Das hat sich nun geändert. Zwanziger ist als DFB-Chef eine öffentliche Person und musste im Umgang mit den Medien bereits neue Erfahrungen sammeln, obwohl er auch in seiner beruflichen Entwicklung mit der Öffentlichkeit zu tun hatte. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft saß er unter anderem im Landtag von Rheinland-Pfalz und arbeitete als Rechtsanwalt.

"Ich werde vorsichtiger sein müssen", meinte Zwanziger nach einigen Debatten als Präsidentschafts-Kandidat. Vor allem die Auseinandersetzung mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann um die Quartierfrage bei der WM 2006 brachte ihn in die Schlagzeilen. Klinsmann sei auch sein Wunschtrainer gewesen, betonte der neue DFB-Chef, aber es gebe Grenzbereiche. "Wir mussten uns erst ein wenig aneinander gewöhnen", gab Zwanziger zu.

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