"Im Sommer geht die Post ab": Aufschwung der Billigflieger lässt Köln Bonn frohlocken

"Im Sommer geht die Post ab"
Aufschwung der Billigflieger lässt Köln Bonn frohlocken

Der Flughafen profitiert von den Billig-Airlines, die weiter expandieren - und für ordentliche Umsätze sorgen.

Flughafen soll bunter werden - Deutliches Passagierplus

LONDON. Am früheren Regierungsflughafen Köln/Bonn herrscht Aufbruchstimmung. Der chronische Passagierschwund ist gestoppt, seit mit Germanwings und Hapag Lloyd-Express gleich zwei neue Billigfluglinien von hier aus starten. Während weite Teile der Luftfahrt von Krise reden, bricht in Köln/Bonn allmählich Euphorie aus: "Hier wird im Sommer die Post abgehen", sagte Flughafenchef Michael Garvens in London. Man sehe "gute Chancen", das geplante Passagierwachstum von 40 % im laufenden Jahr übertreffen zu können: Im Januar lag das Plus den zweiten Monat in Folge über der 60 %-Marke.

Die Kundschaft spare zudem nur beim Ticket, nicht aber in den Airport-Hallen. Im Terminal 1, wo künftig allein die Billigflieger abgewickelt werden sollen, sei der Monatsumsatz von einst 60 000 Euro auf 400 000 Euro in die Höhe geschnellt. Flughäfen sind gewöhnlich mit etwa 10 % an den Umsätzen ihrer Mieter beteiligt. "In diesem Bereich schlummern noch ungeheure Ertragspotenziale", sagt Garvens. Für 15 Mill. Euro sollen in Köln/Bonn die Verkaufsflächen von derzeit 500 auf 2 500 Quadratmeter deutlich aufgestockt und dafür attraktive Mieter gefunden werden. Es sei schließlich ein Vorurteil, dass die Billigflug-Kundschaft lieber Brot und Thermoskanne mitbringe, anstatt im Flughafenbistro zu essen. Garvens: "Es gibt Leute, die zwar für 19 Euro nach Rom fliegen, dort aber im Fünf-Sterne-Hotel wohnen." Auch am Flughafen Köln/Bonn will es Garvens seinen Gästen bald gemütlicher machen als bisher: Ein weiteres Hotel in Airport-Nähe schwebt ihm vor, dazu eine Disco und am liebsten noch ein schicker Luftfahrt-Erlebnispark. Garvens: "Hier ist mir alles noch viel zu steril."

Mitte 2004, wenn auch der ICE erstmals in Köln/Bonn Station machen wird, soll der Flughafen schon ein Stück weit seinem Vorbild London-Stansted ähneln. Dort sorgen einladende Verkaufsflächen dafür, dass der Airport inzwischen mehr als 30 % seiner Umsätze aus dem Nichtflug-Bereich holt. Stansted ist seit Jahren der am stärksten wachsende Flughafen Europas - die Billigflieger machen?s möglich. Die Marktführer Ryanair und Easyjet sowie andere Linien wie Buzz, Germanwings und Co. locken inzwischen 16 Mill. Passagiere pro Jahr an den Flughafen im Osten Londons.

Von derlei Zahlen ist Köln/Bonn noch ein weites Stück entfernt: Wenn im laufenden Jahr 7,5 Mill. Gäste den NRW-Flughafen ansteuern, ist immerhin der langjährige Negativtrend gestoppt. Im ersten Halbjahr 2002 hatte der Passagierschwund noch bei alarmierenden 15,8 %, ehe die neuen Billigflieger den Umschwung einleiteten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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