Im spektakulären Übernahmekampf der Kugellagerhersteller hat bisher INA die Nase vorn
FAG-Chef Loos läuft die Zeit davon

Die Chancen des Kugellagerherstellers FAG im Übernahmekampf mit dem Konkurrenten INA sinken. Die FAG-Hoffnungen, mit Hilfe von Partnern ein Gegenangebot zu erstellen, gehen gegen Null - nicht zuletzt auch wegen der Konjunkturschwäche. Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine nachgebesserte INA-Offerte.

cbu/jkn/mm HB FRANKFURT. Schon kursieren Spekulationen, Uwe Loos, Vorstandsvorsitzender des fränkischen Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer AG, habe sich mit seinem Schicksal abgefunden. Die feindliche Übernahme durch die INA-Holding Schaeffler KG habe er nur noch wenig entgegen zu setzen. Dies wird bei FAG jedoch heftig dementiert. "Loos ist grimmig entschlossen", heißt es.

Doch die Chancen der FAG, den spektakulären Übernahmekampf doch noch zu gewinnen, sinken von Tag zu Tag. Insbesondere hat FAG-Chef Loos große Probleme, eine Abwehrfront auf die Beine zu stellen. Bislang galt der FAG-Kooperationspartner NTN aus Japan als aussichtsreichster Kandidat für die Rolle des "weißen Ritters", doch die Japaner zögern. NTN - so ist in Finanzkreisen zu hören - habe angesichts der Konjunkturflaute nicht die für die FAG-Übernahme notwendigen Mittel von 1 Mrd. Euro.

Zudem ist ein sehr aussichtsreicher Finanzinvestor abgesprungen. "Wir sprechen mit verschiedenen Investoren", betonte gestern zwar ein FAG-Sprecher. Doch die halten sich mehr als bedeckt. Auch die Zeit spielt gegen FAG und für INA. Denn am übernächsten Montag läuft bereits die Frist für das INA-Übernahmeangebot (11 Euro je FAG-Aktie) ab. Außerdem hat sich INA bereits eine Sperrminorität von über 25 % gesichert.

Mit Hilfe einer Gegenofferte könnte FAG auch den von INA gebotenen Übernahmepreis nach oben drücken. "Ohne ein Alternativangebot wird INA nicht drauflegen", meint Michael Riedel von Bankgesellschaft Berlin. Die Analysten sind durchaus einig, dass FAG mit den gebotenen 11 Euro je Aktie unterbewertet ist. Strategisch sei die Übernahme für INA mehr wert, heißt es in Finanzkreisen. Durch den Erwerb der FAG würde INA auf einen Umsatz von 6,2 Mrd. Euro kommen. Um diese Größenordnung aus eigener Kraft zu erreichen, müsste INA über eine Mrd. Euro investieren, wird argumentiert. Würde INA diesen Preis für FAG zahlen, wären das rund 18 Euro je Aktie.

Darüber hinaus würde INA durch den FAG-Kauf die eigenen Märkte in Europa absichern, was Finanzexperten nochmals mit einem Aufschlag von bis zu acht Euro je FAG-Aktien veranschlagen. Freilich hat eine solche Bewertung einen Haken. "Solange sie solch ein aktuelles Umfeld haben, können sie diese Rechnungen schlicht vergessen", erklärte Riedel von der Bankgesellschaft Berlin.

"Es gibt keine Veranlassung, das Angebot aufzustocken", sagte gestern erneut ein INA-Sprecher. Der Familienkonzern aus Herzogenaurach hatte aber auch betont, man werde an der Übernahme nur dann festhalten, wenn gut 75 % der FAG Aktien bei INA landen. Bankkreise sehen dies jedoch trotz der jüngsten Käufe keineswegs als gesichert. Nach Informationen aus Bankreisen sind in den letzten Tagen verstärkt Hedgefonds bei FAG eingestiegen, die inzwischen rund 15 bis 20 % halten. Die aber werden ihre Papiere nur dann abgeben, wenn es mehr als 11 Euro gibt.

"Erreichen wir die 75 % nicht, werden wir neu nachdenken", sagte gestern der INA-Sprecher. Vielleicht muss die Offerte ja doch nachgebessert werden. In Bankkreisen wird jedenfalls berichtet, die Deutsche Bank habe INA bereits eine Kreditlinie über 1,3 Mrd. Euro eingeräumt.

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