Im Vergleich moderater Steuersatz
Experten sehen Besteuerung von Aktien skeptisch

Die neuen Pläne der Bundesregierung zur Besteuerung von Gewinnen aus Aktienverkäufen sind bei Anlagestrategen auf Kritik gestoßen. Die pauschale Erhebung von Steuern ohne jede Frist werde dem Börsenstandort Deutschland schaden und vor allem die private Altersvorsorge über den Aktienmarkt belasten, sagten die Experten in ersten Reaktionen.

rtr/vwd FRANKFURT. Gertrud Traud, Leiterin Aktienstrategie bei der Bankgesellschaft Berlin, sagte, sie sei enttäuscht von den Plänen der Regierung. "Die vorherigen Pläne zur Verlängerung des Spekulationsfrist auf fünf Jahre wären sinnvoller gewesen für eine längerfristige Förderung der Kapitalanlage."

Die Bundesregierung hat sich am Wochenende darauf verständigt, Gewinne aus Verkäufen von Aktien, Fondsanteilen und nicht selbst genutzten Immobilien mit 15 % zu besteuern. SPD-Generalsekretär Olaf Scholz sagte, im internationalen Vergleich sei dies eine "sehr moderate Lösung". Bisher müssen Gewinne aus Aktiengeschäften abzüglich eines Freibetrages bei der Einkommensteuer veranschlagt werden, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erwerb der Papiere anfallen. Diese Spekulationsfrist soll nun offensichtlich wegfallen und durch eine pauschale Besteuerung ersetzt werden.

Wie sehr die neue Aktienbesteuerung die Börse belasten werde, müsse abgewartet werden, sagte Aktienexpertin Traud weiter. "Das hängt davon ab, wie sauer die Anleger sind und ob es zu einer Panik kommt." Im internationalen Vergleich sei eine 15-prozentige Steuer im Grunde aber nicht "so schlimm", so dass sie nicht glaube, dass der deutsche Aktienmarkt nun von anderen komplett abgehängt werde.

Aktienanalyst Oliver Fischer von der SEB Bank bezeichnete die neuesten Regierungspläne als unerfreulich. Unter anderem die zu erbringende Offenlegung von Aktiengeschäften könnten Anleger und Investoren verschrecken und möglicherweise aus Deutschland vertreiben, sagte Fischer. "Im Grunde schafft man dadurch das Bankgeheimnis ab. Es ist zu befürchten, dass die Banken in der Schweiz sich schon die Hände reiben."

Auch nach Einschätzung von Fischer müssen die konkreten Auswirkungen der neuen Besteuerung auf Börse und Aktienkurse zunächst noch abgewartet werden. "Aber man fördert sicher nicht die Aktienkultur in Deutschland", sagte der Analyst. Bei einer Spekulationsfrist habe zumindest noch die Chance bestanden, Aktien irgendwann steuerfrei veräußern zu können. Damit habe schließlich auch das Aktiensparen etwa für die Rente gefördert werden sollen, was nun jedoch wegfalle.

"Sicher belastet das", urteilte auch Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg . Der Leiter der Anlagestrategie der Bank befürchtet eine Verschlechterung für die Anleger und Aktionäre in Deutschland: "Jede Regelung, die da jetzt kommt, ist ungünstig". Vor allem mit Blick auf die private Altersvorsorge werde eine pauschale Besteuerung eine bremsende Wirkung haben, meinte auch Bader. Dies sei kontraproduktiv.

Venture-Capital-Verband: Aktienpauschalsteuer "kleineres Übel"

Der Bundesverband der deutschen Kapitalbeteiligungsgesellschaften hat die vorgesehene pauschalierte Besteuerung von Aktiengewinnen für die Venture-Capital-Branche als das "kleinere Übel" im Vergleich zu den früheren Plänen der Regierung bezeichnet. Wichtig sei aber, dass auch eine Verlustverrechnung möglich sei, sagte Geschäftsführer Holger Frommann am Montag

Die neuen Gesetze werden nach seiner Ansicht nicht zu einer Flucht des Kapitals aus Deutschland führen. Generell bemängelt er aber eine mangelnde Verbindlichkeit in der Finanzpolitik der Bundesregierung. Dies erschwere den Unternehmen in der Branche eine "vertrauensvolle Planung".

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