Im Vergleich zu den USA
Deutlicher Nachholbedarf für die New Economy

Damit die New Economy auch in Deutschland zum Konjunkturmotor werden kann, müssen die Unternehmen mehr in Informationstechnologien und Telekommunikation investieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen.

DÜSSELDORF. Die Marktbereinigung in der New Economy ist noch lange nicht beendet. Darin sind sich die meisten Finanzexperten einig. Zwar konnte der Online-Händler Amazon.com die Analysten positiv überraschen, weil der Nettoverlust im ersten Quartal geringer ausgefallen ist als erwartet. Aber der Konsolidierungsdruck in der Internetwirtschaft ist weiterhin vorhanden, was negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in den USA haben wird.

Das Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI hat im Rahmen seiner Konjunkturanalyse für Nordrhein-Westfalen untersucht, ob von der New Economy Produktivitätsschübe für die gesamte Wirtschaft in Deutschland zu erwarten sind. Als Vergleichmaßstab nahmen die Forscher dabei die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Interessant ist ein Vergleich des Zuwachses an Produktivität mit den Investitionen in Software, Computer, Netzinfrastrukturen und Telekommunikationsanlagen.

Während die Produktivität pro geleisteter Arbeitsstunde Anfang der 90er Jahre in den USA noch bei unter zwei Prozent lag, kletterte sie bis zum Jahr 2000 im Durchschnitt auf mehr als vier Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Ausgaben für Informationstechnologien (IT) und Telekommunikation (TK) am Bruttoinlandsprodukt von unter einem Prozent auf beinahe vier Prozent. Anfang der 90er Jahre pumpten die Unternehmen nur zwei Prozent ihrer gesamten Investitionen in IT und TK; Ende 2000 sah dieses Verhältnis schon deutlich anders aus: Im vergangenen Jahr investierten die amerikanischen Firmen jeden fünften Dollar, also 20 Prozent aller Investitionen, in IT und TK.

Bei der Produktivität bleibt Deutschland (drei Prozent in 2000) deutlich hinter den USA zurück, auch bei den Investitionen in IT und TK. Zwar liefert das statistische Bundesamt in Wiesbaden keine Daten zu Investitionen in IT und TK, aber zu Investitionen in Software. "Auch da sind die USA weit voraus", sagt RWI-Konjunkturexperte Michael Ackermann. Seit 1992 haben sich die Investitionen in Software in Deutschland um jährlich sieben Prozent ausgeweitet, in den USA war dieses Wachstum beinahe doppelt so hoch. "Wenn sich dauerhaft herausstellt, dass der Produktivitätszuwachs in den USA auf die Investitionen in Informationstechnologie und Telekommunikation zurückzuführen ist", sagt Ackermann, "dann hat Deutschland noch einen weiten Weg vor sich."

In Deutschland werde nach wie vor zu wenig in IT und TK investiert. "Der von den Verbänden immer wieder beklagte Mangel an Fachkräften kann eine Ursache für das Ausbleiben der Investitionen sein", sagt der Konjunkturexperte, "die Unternehmen haben ja nichts davon, in Technik zu investieren, wenn sie niemanden haben, der damit umgehen kann."

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