Im Visier: Aktienverkäufe von AOL-Führungskräften
Ausweitung der SEC-Untersuchung bei AOL wahrscheinlich

Die US-Börsenaufsicht SEC wird voraussichtlich ihre Untersuchungen der Unregelmäßigkeiten bei der Onlinesparte des weltgrößten Medienkonzerns AOL Time Warner auf mögliche Insidergeschäfte ausweiten.Dabei werde auch geprüft, ob der Konzern irreführende Prognosen ausgegeben hat, sagten der Untersuchung nahe stehende Experten in New York.

rtr NEW YORK. Der Aktienkurs von AOL fiel am Freitag vorbörslich auf 13,40 $ von 14,07 $ am Donnerstagabend. Eine Untersuchung möglicher Insidergeschäfte sei eine "absolut logische" Folge der bisherigen Ermittlungen, erklärte der frühere SEC-Ermittler Jacob Frenkel. Sollten Aktienverkäufe von Insidern gegen die Börsengesetze verstoßen haben, sei eine SEC-Untersuchung angemessen.

Die SEC will der "Financial Times" zufolge herausfinden, ob AOL Time Warner im vergangenen Jahr zu optimistische Geschäftsprognosen gegeben hat. Weder die SEC noch AOL Time Warner wollten die Aussagen kommentieren.

Das Management von AOL Time Warner hatte im September 2001 an der Wall Street an Glaubwürdigkeit verloren, als es seine aggressiven Wachstumsprognose aufgab, auf die es nach der kompletten Übernahme von Time Warner im Januar 2001 noch gesetzt hatte. Viele Mitbewerber hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Prognosen wegen der Flaute im Werbegeschäft zurückgeschraubt. Im laufenden Jahr fiel der Aktienkurs von AOL Time Warner schon um 70 %. Bei der Onlinesparte laufen derzeit Untersuchungen wegen aufgeblähter Anzeigenumsätze.

Sammelklage gegen AOL-Manager


Im Auftrag von AOL-Aktionären hatte die Anwaltskanzlei Berger & Montague kürzlich Klage eingereicht und darin dem Konzern falsche und irreführende Erklärungen über den Umsatz seit dem dritten Quartal 2000 vorgeworfen. Zudem hätten Manager Aktien verkauft, als sie im Besitz "anders lautender nicht öffentlicher Informationen" gewesen seien, warfen die Aktionäre dem Konzern vor. Die Klage bezieht sich auf Aktienverkäufe von Topmanagern von Februar bis Mai 2001. Namentlich nennt sie unter anderem den früheren Chief Operating Officer Robert Pittman, der im Juli zurückgetreten war, und David Colburn, der vergangene Woche das Unternehmen verlassen hatte.

Ein AOL-Sprecher wollte auch dies nicht kommentieren. Der "Financial Times" zufolge haben insgesamt 15 AOL-Führungskräfte zwischen Februar und Juni 2001 Aktien des Konzerns im Wert von mehreren hundert Mill. $ verkauft. Die SEC wolle nun die Unternehmensprognosen und den Zeitpunkt der Aktienverkäufe untersuchen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf SEC-Kreise, die mit den Ermittlungen vertraut sein sollen.

Die SEC interessiere sich auch dafür, ob die Umsatz- und Ergebnisprognosen unrealistisch waren und der Aktienkurs künstlich in die Höhe getrieben wurde.

Medienberichten zufolge werden auch so genannte "Round-Tripping"-Buchungen bei AOL untersucht. Unter dem Begriff "Round-Tripping" (Rundreise) waren jüngst in der Energie- und Telekombranche Verkäufe von eher unprofitablen Vermögenswerten bekannt geworden, bei denen automatisch der Rückkauf zu ähnlich hohen Preisen vereinbart wurde. Diese Buchungspraxis kann ein Aufblähen der Umsätze sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer zur Folge haben.

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