Im Visier der Kartellbehörden
EU erwartet Klagen der Konkurrenz

Die amerikanischen und die europäischen Kartellbehörden haben das neue Betriebssystem von Microsoft bereits im Visier.

tor/rut NEW YORK/BRÜSSEL. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti prüft zwar noch nicht offiziell, ob der Softwareriese sein Monopol mit "Windows XP" illegal ausnutzt. Montis Beamte erwarten aber, dass sich Wettbewerber von Microsoft in Brüssel über das neue Betriebssystem beschweren, sobald es auf dem Markt ist. In diesem Fall, heißt es in EU-Kommissionskreisen, würden weitere Ermittlungen gegen Microsoft eingeleitet.

Dabei dürfte es um die Bündelung des neuen Betriebssystems mit dem Programm zum Laden von Musik und Videos (Media-Player) sowie dem Online-Programm Windows Messenger gehen. Damit dränge Microsoft Wettbewerber aus dem Internetgeschäft, so der Verdacht. Aus diesem Grund geht Brüssel bereits gegen das alte Betriebssystem vor: Windows 2000 ist mit dem Media-Player sowie mit einem Programm zum Aufbau von Computer-Netzwerken (Server) verknüpft. Deshalb schickte Monti schon einen Beschwerdebrief an Microsoft. Bis Mitte November hat der Konzern noch Zeit, darauf zu antworten. Bislang habe Microsoft "keine Spur von Kompromissbereitschaft erkennen lassen", heißt es in Brüssel. Vielmehr versuche das Unternehmen, "die Grenzen der Wettbewerbsregeln auszutesten". Deshalb sah sich Monti unlängst veranlasst, dem US-Konzern mit einer hohen Geldstrafe zu drohen.

Ohne Kompromiss drohen Microsoft drastische Geldstrafe

In den USA geht das Kartellverfahren gegen Microsoft nach einem jahrelangen Tauziehen jetzt in die entscheidende Runde. Zwar hat Microsoft es geschafft, eine einstweilige Verfügung gegen die Auslieferung von "Windows XP" zu verhindern. Dennoch muss der Softwareanbieter mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn er sich nicht mit den Wettbewerbshütern des Justizministeriums außergerichtlich einigt.

Erste Gespräche darüber endeten Anfang Oktober ergebnislos. Die zuständige Richterin Colleen Kollar-Kotelly setzte daraufhin den Bostoner Rechtsprofessor Eric Green als Schlichter ein. Er soll bis zum 2. November einen Kompromiss vorschlagen. Wenn daraufhin immer noch keine Einigung zu Stande kommt, droht Microsoft Schlimmeres. Die Richterin könnte eine drastische Geldstrafe verhängen, weil das Unternehmen sein Monopol bei den Betriebssystemen in unzulässiger Weise ausnutzt.

Dies hätte auch Folgen für XP. So könnte die Richterin Microsoft zwingen, einen Teil des XP-Programm- codes den Wettbewerbern zur Verfügung zu stellen. Diese wären damit in der Lage, Anwender-Software zu entwickeln, die mit "Windows XP" kompatibel ist. Dagegen wehrt sich Bill Gates bisher mit aller Macht. Schließlich würde er damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verlieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%