Im Visier der US-Aufsichtsbehörden
Tyco verklagt eigenen Anwalt

Der angeschlagene US-Mischkonzern Tyco International sieht sich im Zusammenhang mit der Steueraffäre seines Ex-Chefs Dennis Kozlowski als Opfer eines Vertuschungsskandals.

rtr NEW YORK. Nach einer internen Untersuchung verklagte das Unternehmen seinen ehemaligen Hausanwalt wegen Verschleierung auf Schadenersatz, wie Tyco am Montag (Ortszeit) mitteilte. Der Konzern wirft dem Juristen Mark Belnick vor, mit Kozlowski konspiriert und Dokumente vernichtet zu haben.

Seit Kozlowski Anfang Juni wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde, steht auch das Unternehmen im Visier der US-Aufsichtsbehörden. Nach Kozlowskis Rücktritt als Konzernchef überprüft Tyco unter anderem die Verwendung von Firmengeld für die Privatzwecke seiner Manager.

In der vergangenen Woche trennte sich der Konzern wegen mangelnder Kooperation von Belnick und wirft dem Juristen nun vor, er habe dem Vorstand (Board of Directors) die Ermittlungen gegen Kozlowski verheimlicht und mit dem Ex-Konzernchef konspiriert, um die Anordnungen des Vorstands zu umgehen.

Unter anderem soll Belnick eine gerichtliche Vorladung zurückgehalten und den Vorstand zu spät informiert haben. Überdies wird dem Anwalt zur Last gelegt, kurz vor seiner Entlassung von seinem Firmen-Computer Dateien mit Informationen über seine Beziehung zu Kozlowski gelöscht zu haben. Belnick wird auch bezichtigt, ohne Wissen des Vorstands 35 Mill. Dollar an Honorar verbucht und mit zinsfreien Umzugskrediten der Firma widerrechtlich Immobilien gekauft zu haben.

Belnicks Anwalt wies die Vorwürfe unterdessen als haltlos zurück und warf seinerseits dem Unternehmen vor, vom eigenen "großen Vertrauensbruch" ablenken zu wollen.

Einen Tag nach seinem Rücktritt war Kozlowski Anfang Juni wegen Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung angeklagt worden. Der 55-Jährige soll beim Kauf von Kunstwerken für mehr als 13 Mill. Dollar die fällige Umsatzsteuer von einer Million Dollar mittels falscher Dokumente umgangen haben. Jetzt versucht Tyco, sich von dem langjährigen Konzernchef zu distanzieren.

90 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet

Ein weiterer Streitpunkt sind die Vorgänge um den Erwerb der Finanzgruppe CIT. In einer zweiten Klage beschuldigt Tyco sein ehemaliges externes Vorstandsmitglied Frank Walsh, ohne Wissen des Vorstands mit Kozlowski für die Vermittlung der CIT-Akquisition im vergangenen Jahr ein Honorar von 20 Mill. Dollar ausgehandelt zu haben. Walsh soll mit Kozlowski befreundet sein. Tyco hatte fast zehn Mrd. Dollar für CIT gezahlt. Jetzt soll die Finanzsparte für lediglich die Hälfte dieser Summe an die Börse gebracht werden. Der Konzern kämpft mit einem hohen Schuldenberg und befindet sich derzeit mitten in einer schwierigen Restrukturierungsphase. An der Börse hat Tyco in diesem Jahr 90 Mrd. Dollar an Wert eingebüßt.

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