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Im Windschatten

Die US-Aufsichtsbehörde SEC steht derzeit im Mittelpunkt der Kritik, weil sie bei vielen Skandalen zu spät reagiert hat. Freuen dürfte das die Wirtschaftsprüfer, die sonst immer Prügelknaben waren. Die Freude wird nicht lange halten.

Wenn sich Amerika in diesen Tagen mit seinen Firmen- und Finanzskandalen beschäftigt, dann fällt der ungnädige Blick der Öffentlichkeit vor allem auf die Arbeit der Wertpapier-Aufsicht SEC. Das dürfte die Kaste der Wirtschaftsprüfer freuen, die ja lange als Prügelknaben der Nation herhalten mussten. Doch die Ruhe dürfte täuschen, denn die Diskussion um die historische Rolle der Prüfer und ihre künftige Position wird wieder aufflammen - spätestens beim nächsten Skandal.

In Europa und Amerika hat es zahllose Diskussionen darüber gegeben, wie man die Arbeit vor allem der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wasserdicht gegen die Fehler der Vergangenheit machen kann. Man hat versucht, langjährige Beziehungen zwischen Unternehmen, ihren Vorständen und den Prüfern zu unterbinden - frei nach dem Motto: wenn das Vertrauen zu groß ist, kommt die Kontrolle zu kurz. Man hat - nach der generellen Trennung von Unternehmensberatung und Buchprüfung nun auch andere Beratungsleistungen der Wirtschaftsprüfer im Visier. All das aber laboriert an der Oberfläche des Problems herum.

Fakt ist, dass es im internationalen Wirtschaftsprüfungsgeschäft nicht mehr genug Wettbewerb gibt, da vier großen Firmen das Geschäft unter sich aufteilen. Diese Konzentration bringt es sogar mit sich, dass man gegen die Firmen bei Fehlverhalten nicht mehr so hart vorgehen kann, wie nach dem Enron-Skandal gegen die Prüfer von Arthur Anderson. Der Untergang einer weiteren Firma würde die Lage noch weiter verschlechtern. Damit aber fehlt in diesem Geschäft nahezu jeglicher Korrekturmechanismus. Die langfristigen Konsequenzen für die Qualität der Arbeit liegen auf der Hand.

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