Im Zuge der Internationalsierung der Kanzleien werden immer weniger Anwälte Partner
Der böse Geist aus Amerika

Erfolgshonorare sind für Anwälte plötzlich kein Tabu mehr, zeigt die Handelsblatt-Umfrage unter den Top-Wirtschaftskanzleien.

DÜSSELDORF. Unanständig war das Wort. Ein absolutes Tabu bedeutete es für Advokaten: Erfolgshonorar verteufelten sie Jahrzehnte lang als bösen Geist aus Amerika. Herhalten musste als Argument dann ihre Gesetzesbezeichnung als "unabhängiges Organ der Rechtspflege", und dass ihnen Erfolgshonorare untersagt seien. Tatsächlich wollten sie wohl eher keine Umsatzeinbußen riskieren. Denn nach einer gelungenen Transaktion erfolgsbezogene Prämien zu vereinbaren, das ist sehr wohl erlaubt.

So ergab jetzt eine Umfrage des "Handelsblatts" bei den Top-50- Wirtschaftskanzleien - die mit 56 Prozent Rücklaufquote eine außergewöhnlich hohe Resonanz hatte -, dass sich der Wind gedreht hat: Jede dritte von ihnen lässt sich jetzt auf Erfolgshonorare ein. "Man spricht nach einer gelungenen Transaktion mit dem Finanzvorstand, dem Rechtsabteilungsleiter oder dem Unternehmer selbst und einigt sich", beschreibt Konstantin Mettenheimer, Partner bei Freshfiels Bruckhaus Deringer in Frankfurt.

Einzelne Stars - Rainmakers - in der Juristen-Szene wie Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von Gleiss aus Stuttgart bekennen offen, dass sie von vorn herein zugrunde legen, welchen "Wert die Sache für den Mandanten hat". Andere mühen sich noch mit Tricks ab: Man fügt den Streitwert in die Honorarvereinbarung erst später ein - je erfolgreicher, umso höher.

Ein weiteres erstaunliches Ergebnis der Top-50-Umfrage ist: In Deutschland bringen es bislang im Schnitt weniger als zehn Prozent der weiblichen Anwälte zum Partner. Wer die Broschüre über die Partner der Kanzlei Hengeler Mueller durchblättert, der hat es schwarz auf weiß: Von 74 freundlich dreinschauenden Menschen gehören nur zwei dem weiblichen Geschlecht an. Zufall? Daran zu glauben fällt schwer. Auch bei der anderen Top-Kanzlei hier zu Lande, Freshfields, sind gerade mal sieben Prozent der Partner Frauen.

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