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Im Zwiespalt

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust", lässt Johann Wolfgang von Goethe seinen Faust seufzen. Den Spruch könnte sich auch Nobuyuki Idei über den Schreibtisch hängen, ist der Sony-Chef doch täglich im Zwiespalt.
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Soll er Sony unbeirrt weiter ins digitale Zeitalter führen oder aber den Innovationsgeist seiner Ingenieure bremsen, um Geschäftsmodelle des vergangenen Jahrhunderts zu bewahren, mit denen Sony ebenfalls Geld verdienen möchte? Oder um genauer zu werden: Soll Idei den Ingenieuren von Sony Electronics gestatten, uneingeschränkt MP3-Abspielgeräte zu entwickeln? Oder gibt er Sony Music nach, die fordern, dass diese Produkte mit strengsten Kopierschutzmechanismen versehen werden?

Jüngstes Problemkind ist der MEX-1HD. Hinter dem kryptischen Namen verbirgt sich ein hochmodernes Automusiksystem, mit dem Sony sich frühzeitig an die Spitze eines von den USA und Japan nach Europa schwappenden Trends setzen will - den Austausch von Autoradios mit CD-Audio-Spieler gegen Geräte, die auch CDs im MP3-Format abspielen können. Während eine Audio-CD im Schnitt nur eine Stunde Musik speichert, kann die gleiche Scheibe bis zu zehn Stunden Dauerbeschallung darbieten, wenn ihr Inhalt im MP3-Format komprimiert ist.

Das MEX-1HD setzt noch eins drauf. Die Anlage, die in den USA bereits verkauft wird, verfügt zusätzlich über eine Zehn-Gigabyte-Festplatte, die bis zu 169 Stunden Musik speichert. Da kann selbst der gigantischste CD-Wechsler im Kofferraum nicht mithalten. Besser noch - ihr Besitzer kann Audio-CDs sogar im Auto auf die Festplatte überspielen - Fachjargon "Rippen". Was allerdings mit dem neuesten Album von Popdiva Céline Dion nicht funktioniert, da ihre Plattenfirma Sony Music die Scheibe mit einem Kopierschutz versehen hat.

In der deutschen Version des Systems, das ab September für rund 2000 Euro verkauft wird, ist das Rippen besagter CD jedoch möglich. Es wäre allerdings wettbewerbswidrig, wenn der Kopierschutz von Sony-Music-Produkten nur für Sony-Abspielgeräte aufgehoben würde. Da bleibt nur ein Schluss: Herr Idei, verzichten Sie auf Innovationshemmer wie Kopierschutz von vornherein.

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