Image-Krise wegen Skandalen am Neuen Markt
Wirtschaftsprüfer wollen reden

Angesichts der Skandale am Neuen Markt fordern Wirtschaftsprüfer die Entbindung von ihrer Verschwiegenheitspflicht. Die gesetzliche Grundlage müsste jedoch erst geschaffen werden.

HB/ dpa MÜNCHEN. "Wir würden gerne mehr sagen, weil es mehr zu sagen gibt", sagte Bernd Rödl, Chef der Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner, am Dienstagabend im Club Wirtschaftspresse München. Dafür müsse es aber zunächst eine gesetzliche Grundlage geben. Rödl & Partner ist nach eigenen Angaben mit rund 2200 Mitarbeitern die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft deutschen Ursprungs. Derzeit ist das Unternehmen unter anderem mit der Sonderprüfung bei dem skandalgeschüttelten Unternehmen Comroad beschäftigt.

Durch die Pleite des US-Energieriesen Enron und andere Fälle von Bilanzfälschungen seien die Wirtschaftsprüfer in eine schwere Imagekrise geraten. Mit Ausnahme des Enron-Skandals, wo Wirtschafsprüfer von Arthur Andersen aktiv mitgeholfen haben sollen, sei die Kritik an den Wirtschaftsprüfer aber häufig unbegründet. Sie hängt nach Worten von Rödl vor allem mit einer überhöhten Erwartungshaltung an die Prüfer zusammen. Die eigentliche Aufgabe der Wirtschaftsprüfer sei es, die Rechnungslegung und Buchführung der Unternehmen ordnungsgemäß zu prüfen. Es sei hingegen nicht Aufgabe der Wirtschaftsprüfer, Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen. "Wirtschaftsprüfer sind keine Staatsanwälte", betonte Rödl.

Um die Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern zu erhöhen, sollte nach Ansicht von Rödl auch in Deutschland jeder Abschluss von zwei verschiedenen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gemeinsam testiert werden. Dieses Modell habe sich in Frankreich bereits bewährt. Die bislang in Deutschland eingeführte, nachträgliche Kontrolle durch eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ("Peer Review") sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus.

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