Imageverlust zwingt die Deutsche Börse zum Handeln
Neue Regeln für den Neuen Markt waren überfällig

Eines vorweg: Gesetze verhindern keine Gangstermethoden, ein verschärftes Regelwerk keine kriminellen Machenschaften. Doch die Deutsche Börse musste reagieren, denn am Neuen Markt war Feuer unterm Dach. Zu laut wurde die Kritik von Anlegerschützern, zu stark hat das Image in den vergangenen Monaten gelitten.

Aus dem einstigen Vorzeigeprojekt drohte eine Skandalnudel zu werden. Das, was die Frankfurter Börse nun vorgelegt hat, um die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen, ist allerdings kein großer Wurf geworden. Sie hat lediglich das umgesetzt, was sie unter Zeitdruck ohne größere Probleme realisieren konnte. Denn dieser Druck war da, auch wenn die Verantwortlichen nicht müde werden, das zu verneinen.

Auch daraus erklärt sich, dass bei den neuen Regeln im Wesentlichen auf Abschreckung gesetzt wird. Zwar wurde die Obergrenze für Strafgelder auf 100 000 Euro verzehnfacht. Doch bei den Summen, um die es am Neuen Markt geht, hat die Maßnahme eher kosmetischen Charakter. Auch die Einführung einer Meldepflicht für Anteilsverkäufe des Managements und des Aufsichtsrats ist in der vorgelegten Form ein eher stumpfes Schwert. Denn die Meldung muss erst nach Abschluss einer Transaktion erfolgen. Wer Böses im Schilde führt, wird von dieser neuen Vorschrift wohl kaum abgeschreckt.

Das ist kein Vorwurf an die Verantwortlichen der Börse, denn auch sie machen keinen Hehl daraus, dass ihnen eine schärfere Richtlinie nach US-Vorbild lieber gewesen wäre. Dass sie nach deutschem Recht schwer zu überprüfen ist, steht auf einem anderen Blatt. Doch auch hier hätte man auf Abschreckung setzen können.

Uneingeschränkt positiv an den neuen Regeln ist dagegen die Verschärfung der Richtlinien für die Quartalsberichterstattung. In diesen Berichten zeigte sich oft die ganze Kreativität des Unternehmens. In der Kunst des Verschleierns waren manche unbestritten Weltspitze. Damit wird jetzt Schluss sein. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, wird bestraft und an den Pranger gestellt.

Doch auch der Pranger nützt nichts, wenn die Öffentlichkeit ihn nicht zur Kenntnis nimmt. Damit liegt die Verantwortung - wo auch sonst - wieder beim Anleger. Die Möglichkeit, sich umfassend informieren zu können, ist nämlich nur der halbe Weg. Der Anleger muss es auch tun. Erst wenn die Unternehmen spüren, dass Regelverstöße vom Markt knallhart bestraft werden, werden sie ihr Verhalten ändern.

Mit dem neuen Standard hat die Börse ein Zeichen gesetzt. Sie hat einen Teil dazu beigetragen, den Neuen Markt wieder in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Ein verschärftes Regelwerk alleine reicht dafür aber nicht aus. Denn Schuld an der aktuellen Misere ist vielmehr die bewusste oder unbewusste Selbstüberschätzung vieler Unternehmen, die sich in überzogenen Prognosen dokumentiert. Daran werden auch die neuen Regeln nichts ändern. Sie schützen daher weder vor hohen Kursverlusten noch vor Konkursen. Die Risiken bleiben also - die Chancen aber auch.

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