Imagewandel vom Strukturvertrieb zur Edelberatung
Kommentar: Noch ein Etikett

DÜSSELDORF. Die Beratungsleistungen der meisten Vermögensberater, die zurzeit unterwegs sind, schätzt Volker Pietsch nicht als zufriedenstellend ein . "Wenn die Vermögensberatungs-Anbieter behaupten, sie würden eine zukünftige Qualitätsnorm schon erfüllen, so sagt der Berliner Verbraucherschützer, "dann behaupte ich, weit gefehlt. Diese Firmen investieren nicht genug in die Ausbildung ihrer Berater. Was draußen beim Kunden in der Beratung abläuft, da streuben sich einem die Haare. Die Qualität bleibt auf der Strecke. Die meisten Berater sind Klinkenputzer geblieben. Der Außendienst ist nicht umfassend gebildet."

Pietsch sieht den Fehler in den Vergütungsystemen der Finanzdienstleister, die aus dem Strukturvertrieb kommen: "Der Vermittler oder Berater muss, um das eigene Einkommen zu sichern, vordergründig die Provision sehen. Würde außerdem umfassender und damit länger ausgebildet werden, dann könnten die Strukturvertriebe und Schneeballsysteme gar nicht schnell genug wachsen."



Dabei wecken ausgerechnet die stolzen Zuwachszahlen auf dem boomenden deutschen Markt für Altersvorsorgeprodukte Begehrlichkeiten. Auch die traditionellen Banken und Versicherungen haben das Marktpotenzial erkannt und drängen zunehmend in die Finanzdienstleistungsbranche vor. Ob vor dem Hintergrund dieses zunehmenden Wettbewerbs auch die Beratungsqualität für den Kunden spürbar besser wird, halten Experten allerdings für fraglich.



Ein freiwilliges Gütesiegel für Herrn Kaiser und seine Kollegen - wie es derzeit von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) geplant wird, kann auf diesem Weg ein wenig weiterhelfen, aber eben nur ein wenig. Da Vermögensberatung nur auf der Basis des gegenseitigen Vertrauens zwischen Berater und Kunde funktioniert, zielt die ISO-Norm-Initiative prinzipiell in die richtige Richtung. Andererseits gib es gerade in der Finanzdienstleitungs- und Vermögensberatungsbranche schon mehr als genug Titel und Berufsbezeichnungen, die letztlich nur wenig gemeinsam haben: Sie sind nicht gesetzlich verankert oder für den Verbraucher nicht nachvollziehbar bzw. überprüfbar.



Ein Gütesiegel, das in letzter Konsequenz von den marktbeherrschenden Allfinanzvertrieben nach Belieben eingekauft und vermarktet werden kann, kommt diesen Unternehmen wahrscheinlich sogar durchaus gelegen. Sie bemühen sich massiv und unter beträchtlichem Kapitaleinsatz um einen Imagewandel vom Strukturvertrieb zur Edelberatung.



Ein Ersatz für eine immer noch ausstehende gesetzliche Regelung, die den Verbraucher schützt und die Qualität von Finanzdienstleistungen sowie deren Vermittlern messbar macht, kann die geplante ISO-Norm nicht sein.

Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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