Immer am eigenen Selbstbewusstsein arbeiten: Bewerbungsgeschehen wird immer dornenreicher

Immer am eigenen Selbstbewusstsein arbeiten
Bewerbungsgeschehen wird immer dornenreicher

Wechselwillige und arbeitslose Fach- und Führungskräfte sollten bei der Suche nach einem neuen Job mehr Zeit einkalkulieren. Während vor einem Jahr Suchzeiten von sechs bis neun Monaten normal waren, muss der Suchende heute durchaus wieder mit zwölf Monaten rechnen - und mit so manchem Vorstellungsgespräch.

Gefährlich wird es, wenn Dauerbewerbern der Frust im Gesicht geschrieben steht. Denn auch im Bewerbungsgeschäft gilt: Sichtbar bittere Mandeln und saure Erdbeeren kauft niemand! Die eigene Frustration türmt sich zur höchsten Barriere auf.

Ein Außendienstmann berichtet: "Ich verhielt mich in den Vorstellungsgesprächen völlig desolat, ließ alles über mich ergehen, weil ich von Beginn an mit der üblichen Absage rechnete." Wer sich als Versager fühlt, kann nicht überzeugen. Aber bedeutet heute eine Reihe von Absagen objektiv ein Versagen? Angesichts der Arbeitsmarktsituation wohl kaum. Dennoch: Ein Bewerber gewinnt nur, wenn er engagiert und motiviert in das Gespräch geht, sich vorbereitet und alles tut, um sich positiv zu präsentieren.

Ein anderes Phänomen offenbart eine stellenlose Chemikerin: "Mit zunehmenden Absagen kamen mir die Gebäude der Arbeitgeber imposanter, die Menschen, die dort eine Stelle hatten, wichtiger vor. Ich selbst empfand mich als immer unbedeutender." Wenn das Selbstbewusstsein im Keller ist, sollten sich Bewerber an Erfolgen der Vergangenheit aufbauen.

Am Selbstbewusstsein arbeiten

Wer längere Zeit ohne Stelle ist, läuft Gefahr, in die Abwärtsspirale aus Selbstmitleid, sinkendem Selbstwertgefühl und Depression zu geraten. Er muss aktiv werden: in einem Kurzzeitjob oder Ehrenamt, etwa im Sport. Auch fachliche Weiterbildung kommt dem Selbstbewusstsein zugute. Ältere Stellensuchende sollten sich mit der Selbstständigkeit auseinandersetzen. Ein Rückzug, etwa in häusliche Aktivitäten, ist dagegen weniger geeignet.

Manche Bewerber reagieren auf ihre missliche Situation mit beißender Ironie im Vorstellungsgespräch. Oder mit überzogen forschem Auftreten. Die Bewerber sollten sich klar machen, dass sie sich selbst im Weg stehen. So erzählt ein Dauerbewerber, Führungskraft in einer Bank: "Ich war übereifrig, antwortete wie aufgedreht und bedrängte meinen Gesprächspartner verbal. Am Ende der Gespräche wollte ich gleich wissen, was Sache ist. Bekomme ich nun die Stelle? Wenige Tage später hakte ich telefonisch nach." Solche Bewerber sollten sich in die Rolle des Einstellers versetzen. Solcher Eifer ist für den Einsteller höchst verdächtig. Selbst, wer brennend an einer Stelle interessiert ist, sollte gelassen bleiben und sich so verhalten, als stünden ihm Alternativen offen. Das wirkt souveräner.

Nicht aufs Glatteis führen lassen

Auch fallen Dauerbewerber auf beliebte Psycho-Spielchen der Einsteller schneller herein. Ein stellensuchender Versicherungsexperte blickt zurück: "Bei einem Versicherer wurde anderthalb Stunden lang die zu besetzende Stelle mies gemacht. Als ich dann gefragt wurde, ob ich überhaupt auf einer solchen miserablen Stelle arbeiten wolle, antwortete ich spontan ablehnend." Bewerber sollten im Vorstellungsgespräch beobachten, wo sich der Einsteller befindet - auf der ehrlichen, interessierten oder der spielerischen Ebene. Bewerber sollten ruhig überlegen, was der Frager bezweckt. Es ist wenig sinnvoll, eine Frage der Spielchen-Ebene offen und ehrlich zu beantworten. Pfiffige, situationsbezogene Antworten sind hier eher angebracht.

Gerade zu Stationen im Lebenslauf darf sich kein Bewerber aufs Glatteis führen lassen. Wer eine Lebenslaufanalyse vornimmt, braucht kein Prophet zu sein, um darauf zu kommen, zu welchen Punkten nachgefragt wird: lange Studienzeiten, häufige Stellenwechsel, kurze Verweilzeiten oder zeitliche Lücken. Hierzu kann der Bewerber logische Antworten vorbereiten.

Eine Absage ist das Standardergebnis

Ein größeres Unternehmen schrieb eine Stelle für einen Juristen aus. Gefragt waren nur fachliche Qualifikationen aus dem Recht. Im Vorstellungsgespräch drehte sich dann alles um betriebswirtschaftliche Qualifikationen des Bewerbers. Der Jurist reagierte empört: "Ich reagierte zu schnell emotional und nahm mir so jede Chance. Aber noch schlimmer - ich übertrug meine negative Erfahrung auf Folgegespräche. Ich rief bei Gesprächseinladungen bei den Arbeitgebern nochmals an und fragte, ob meine Qualifikationen wirklich gefragt sind." Die Reaktion dieses Bewerbers ist sicherlich verständlich. Aber auch hier gilt: Ruhig bleiben! Negative Erfahrungen aus einem abgeschlossenen Vorstellungsgespräch sollten ausgeblendet werden.

Fazit: Das Bewerbungsgeschehen wird in der jetzigen Arbeitsmarktsituation dornenreicher und langwieriger. Wenige Vorstellungsgespräche verteilen sich über einen langen Zeitraum. Das Standardergebnis ist die Absage. Wohl dem, der in diesem frustrierenden Geschäft einen klaren Kopf behält, sich nicht zermürben lässt, mit hoher Selbstmotivation in Gespräche geht und seine Frustration zügelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%