Immer mehr Banker und Anleger versuchen ihr Glück am Markt für Hedge Funds
Angst vor dem Platzen der Blase

Mit dem Platzen der spekulativen Blase bei Technologie-Aktien sind Hedge Funds zu einer favorisierten Anlageklasse aufgestiegen. Die in Deutschland lancierten Produkte haben die Erwartungen nicht erfüllt. An den Märkten geht die Angst um, dass der großen LTCM-Pleite des Jahres 1998 schon bald ein weiterer "Unfall" folgen könnte.

FRANKFURT/M. Die Zahl der Hedge Funds - das sind Kapitalsammelstellen, die meist in Steueroasen ansässig und daher weitgehend unreguliert sind - dürfte in diesem Jahr nach Schätzungen der Managed Fund Association (MFA) weltweit die Marke von 6000 deutlich übersteigen. Das von diesen Investment-Pools verwaltete Kapital wird dabei deutlich die Marke von 500 Mrd. $ übersteigen.

Waren Investments in diesen Vehikeln in der Vergangenheit lediglich den Reichen dieser Welt vorbehalten, so hat sich dies in den vergangenen beiden Jahren geändert. Nach dem Zusammenbruch der Aktienmärkte haben Banken innovative Produkte strukturiert, durch die immer mehr Privatinvestoren den Zugang zu Hedge Funds finden. Anleger lockt die Renditeerwartung zwischen 10 und 15 %.

Daher sind Enttäuschungen programmiert. Nachdem der Zusammenbruch des Hedge Funds Long Term Capital Management (LTCM) im August 1998 die Grundmauern des globalen Finanzsystems erschütterte, geht an den Märkten heute die Angst vor einem neuen durch Hedge Funds ausgelösten "Unfall" um. Denn Hedge Funds sind in der Finanzwelt zu einer Mode-Erscheinung geworden. Ein Risiko besteht darin, dass die Manager in ihrer Anlagestrategie zu hohe Risiken eingehen. Die Blase platzt, wenn Anleger massiv ihr Geld zurückfordern.

Klassische Grundzüge einer spekulativen Blase

Hinzu kommt, dass immer mehr Anlageberater sich zu Höherem berufen fühlen, indem sie sich selbständig machen. Nur wenige besitzen indes die notwendige Qualifikation. "Die globale Hedge-Fund-Manie hat alle klassischen Grundzüge einer spekulativen Blase", warnt Barton M. Biggs von Morgan Stanley.

Hedge Fund-Manager würden als Entlohnung für ihre Arbeit normalerweise 20 % der Nettogewinne plus einer Gebühr von 2 % erhalten. "Einige heiße, junge Hedge Funds haben ihre Gebühren jüngst bis auf 50 % des Nettogewinns angehoben", gibt Biggs seine Beobachtungen weiter. "Wenn alle versuchen, das Gleiche zu tun, funktioniert die Börse nicht mehr!" Diese Gefahr besteht nicht zuletzt im Hinblick auf die in Deutschland strukturierten Hedge-Funds-Produkte. Die Manager dieser Investmentpools setzen überwiegend auf weitgehend marktneutrale Anlagestrategien wie z.B. "Long/Short Equity". Dabei werden als unterbewertet geltende Aktien gekauft und gleichzeitig Aktien verkauft, die als überbewertet gelten.

Doch je mehr Akteure diese Strategie anwenden, umso mehr verschwinden Ineffizienzen an den Aktienmärkten, so dass diese Strategien keine Basis mehr haben. Ein Bestätigung dieser These liefern aktuelle Performance- Zahlen: In den vergangenen zehn Jahren erwirtschaftete die Kategorie "Equity-Hedge" stets positive Anlageresultate. Im ersten Halbjahr wurde nach Angaben der Fachorganisation HFR mit der Strategie Long/Short-Equity erstmals ein negatives Ergebnis erzielt.

Gefahr eines weiteren "Unfalls"

"Die Gefahr eines neuen Unfalls sehe ich zuerst darin, dass die deutschen Banken die in ihre Hedge-Fund-Zertifikate investierenden Anleger täuschen und damit enttäuschen", sagt Sy Schlüter, geschäftsführender Partner der CAI Analyse- und Beratungsgesellschaft und gleichzeitig Manager des "Copernicus Hedge Fund" in Frankfurt. Und in der Tat: Die von den Hedge Funds deutscher Banken vorgelegten Resultate sind für sich allein genommen zum Teil unbefriedigend. Vergleicht man sie allerdings mit der Wertentwicklung der klassischen Anlageform Aktie, so schneiden die meisten Vehikel noch recht günstig ab.

Das von der Deutschen Bank aufgelegte "Hedge Select Portfolio" stieg im ersten Semester 2001 um 0,4 %. Das Commerzbank-Produkt "Comas I" hat auf Dollarbasis ein annualisiertes Ergebnis von 11 % erzielt. "Wir hatten seit Auflegung vor 18 Monaten keinen einzigen Verlust-Monat", sagt Markus Hampel von der Commerzbank. Zum Vergleich: Der MSCI- Weltindex verlor im ersten Halbjahr 2001 ca. 7,2 %. "Unsere größte Sorge im Bereich Hedge Funds ist die Gefahr eines weiteren Unfalls", sagt Wolfgang Stolz, Vorstand der UBS Warburg in Frankfurt mit Hinweis auf die Negativ-Schlagzeilen der Branche während der vergangenen Jahre. Neue Unfälle könnten den boomenden Markt für Alternativ-Investments zurückwerfen. Das müsse verhindert werden. Daher lege UBS größten Wert auf ein ausgefeiltes Controlling.

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