Immer mehr Menschen brennen sich ihre eigenen CD's
Deutsche Musikbranche sieht sich durch Kopien bedroht

Mal wieder beklagt sich die deutsche Musikbranche über Umsatzrückgänge und macht das Internet und die Herrsteller von CD-Brennern dafür verantwortlich. Allein im vergangenen Jahr seien ihnen der Verkauf von 30 Millionen CD's bzw. 3,3 Mrd. DM entgangen - theoretisch.

Reuters HAMBURG. Die deutsche Musikindustrie sieht sich durch das zunehmende Kopieren von Musik auf CD-Rohlinge massiv bedroht. Die Zahl der privat mit Musik bespielten CDs habe sich von April 2000 bis März 2001 auf 133 Mill. Stück mehr als verdoppelt, teilte die Deutsche Landesgruppe der "International Federation of Phonographic Industry" (IFPI) am Montag in Hamburg mit. Die deutsche Branche erwartet deshalb in diesem Jahr erneut einen Umsatzrückgang, nachdem bereits im vergangenen Jahr 2,2 Prozent weniger umgesetzt worden waren.

Auch das Herunterladen von Musikdateien aus dem Internet macht der Branche zunehmend Sorgen: Musiktitel im Umfang von rund 30 Mill. CD's seien im vergangenen Jahr von deutschen Internet-Nutzern heruntergeladen worden, die meisten von kostenlosen Websites wie Napster. "Das Brennen von Musik und die zunehmende Internet-Piraterie sind die wirtschaftlich größten Probleme der Musikindustrie", sagte der Geschäftsführer der deutschen IFPI-Landesgruppe, Peter Zombik. Die Zahlen sind das Ergebnis einer von IFPI in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts GfK, für die 10 000 Deutsche ab zehn Jahren befragt wurden.

Der Musikindustrie entgingen 3,3 Mrd. DM - theoretisch

Wären die kopierten und heruntergeladenen Musikstücke verkauft worden, hätten sie IFPI zufolge einen Umsatz von 3,3 Mrd. DM eingebracht. Allerdings ersetze nicht jede Kopie einen Kauf, so dass nicht von einem Netto-Verlust in dieser Höhe gesprochen werden könne, räumte der Verband ein. Der Branche macht die Entwicklung vor allem mit Blick auf die Zukunft Sorgen, da der GfK-Studie zufolge erst 13 % der Bevölkerung einen eigenen CD-Brenner haben und 6,4 % in dem untersuchten Zeitraum Online-Musiktitel heruntergeladen haben.

Bundesregierung soll Abgabe auf CD-Brenner durchsetzen

"Gegen massenhaften Musikdiebstahl wehren wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln", kündigte Zombik an. Einige Unternehmen hätten bereits mit der Einführung kopiergeschützter CDs begonnen, um das Kopieren zu erschweren. "Wir fordern die Bundesregierung auf, die legale Privatkopie deutlich einzuschränken, um dem erkennbaren Raubbau Einhalt zu gebieten." Zombik forderte eine Abgabe auf CD-Brenner, mit der Komponisten, Musiker, Texter und CD-Hersteller vergütet werden sollten.

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