Immer mehr Milzbrand-Fälle in den USA
900-Kilo-Bombe schlägt in Wohngebiet ein

Eine amerikanische Bombe hat am Samstag in Kabul ein Wohngebiet getroffen. Dabei wurden Augenzeugenberichten zufolge vier Personen getötet und acht verletzt, wie die US-Regierung einräumte. Dessen ungeachtet setzten US-Kampfflugzeuge den seit einer Woche anhaltenden Dauerangriff auf Ziele in Afghanistan in der Nacht zum Sonntag fort. Das Terrornetzwerk El Kaida stieß unterdessen neue Drohungen gegen die USA und Großbritannien aus. In den Vereinigten Staaten häufen sich die Fälle von Milzbrand und versetzen immer mehr Menschen in Angst vor bioterroristischen Anschlägen.

ap KABUL/WASHINGTON. Zu dem Vorfall in Kabul erklärte das US-Verteidigungsministerium, eine 900-Kilo-Bombe sei fehlgeleitet worden; sie hätte eigentlich einen Hubschrauber auf dem Flughafen treffen sollen. Man habe keine Möglichkeit, die Opferzahl zu bestätigen, hieß es weiter. Augenzeugen berichteten von vier zerstörten Häusern.

US-Kampfflugzeuge setzte ihre Angriffe auf Ziele in Afghanistan am achten Tag in Folge fort. In der Nacht zum Sonntag griffen sie Ziele in mindestens vier afghanischen Städten an. Unter Beschuss lagen die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar sowie Herat und Dschalalabad.

Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar wies am Samstag die Forderung der USA nach einer Auslieferung Osama Bin Ladens zurück. US-Präsident George W. Bush hatte den Taliban am Donnerstag "eine zweite Chance" bei einer Auslieferung des mutmaßlichen Drahtziehers der Terroranschläge vom 11. September in Aussicht gestellt.

Bush zieht positive Zwischenbilanz

Bush zog am Samstag knapp eine Woche nach Beginn der Militäraktionen eine positive Zwischenbilanz. Die Ziele der ersten Operationsphase seien erreicht. "Wir haben das terroristische Netzwerk innerhalb Afghanistans zerschlagen. Wir haben die Armee der Taliban geschwächt. Und wir haben die Flugabwehr der Taliban außer Gefecht gesetzt", sagte er. Bush unterstrich zugleich, dass der Kampf gegen den Terrorismus längst noch nicht beendet sei. Die beste Verteidigung gegen den Terrorismus sei eine entschiedene Offensive.

Militärexperten gehen davon aus, dass die amerikanischen Soldaten auf eine zweite Phase der Militäroperation in Afghanistan vorbereitet sind. Dabei spielen voraussichtlich Sondereinsatzkommandos eine wichtige Rolle. Vertreter der Streitkräfte erklärten, die Luftangriffe konzentrierten sich zunehmend auf bewegliche Ziele, wie etwa Truppentransporter der Taliban.

Neue Drohungen von El Kaida: "Ein Sturm von Flugzeugen wird Amerika zerstören"

Das Terrornetzwerk El Kaida richtete derweil neue und unmissverständliche Drohungen gegen die USA und Großbritannien. El-Kaida-Sprecher Sulaiman Abu Ghaith sagte, amerikanische und britische Soldaten müssten sich von der Arabischen Halbinsel zurückziehen, denn "das Land wird unter ihren Füßen brennen". Abu Ghaith machte seine Äußerungen in einem Video, das der arabische Fernsehsender El Dschasira am Samstag ausstrahlte. Eine Sprecherin des Weißen Hauses bezeichnete die Aufnahme als pure Propaganda. Moslems in den USA und Großbritannien wurden in dem Video aufgefordert, Reisen per Flugzeug zu vermeiden und sich nicht in Hochhäusern aufzuhalten, weil ein "Sturm von Flugzeugen" Amerika zerstören werde.

Aus den USA werden unterdessen immer mehr Fälle des gefährlichen Milzbranderregers gemeldet. In der Bevölkerung macht sich teilweise Panik breit. In Florida wurden am Samstag fünf weitere Angestellte des Unternehmens American Media positiv auf Anthrax-Bakterien getestet. Beunruhigende Nachrichten kamen auch aus New York: Eine zweite Angestellte des Fernsehsenders NBC zeige mögliche Symptome einer Milzbranderkrankung, hieß es. Am Samstag wurden auch Bakterien der lebensgefährlichen Krankheit im US-Staat Nevada nachgewiesen. In einem an das Softwareunternehmen Microsoft in Reno geschickten Brief seien Anthrax-Erreger gefunden worden, sagte der Gouverneur von Nevada, Kenny Guinn.

Die fünf in Florida positiv Getesteten arbeiteten im selben Unternehmen, in dem auch der am Freitag vorletzter Woche an Milzbrand verstorbene Redakteur beschäftigt war. Am Samstag war bekannt geworden, dass sich eine 38-jährige Mitarbeiterin von NBC in New York mit dem Anthrax-Erreger infiziert hat. In New York strömten daraufhin zahlreiche Bewohner in die St.-Vincent-Klinik in Manhattan, um sich auf Milzbrand testen zu lassen.

Zigtausende demonstrieren gegen US-Angriffe

In mehreren europäischen Ländern haben zahlreiche Kriegsgegner am Samstag gegen die amerikanischen Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan demonstriert. In London gingen etwa 20 000, in Berlin und Stuttgart zusammen 25 000 Menschen auf die Straße. Auch in Schweden, Italien und der Schweiz gab es am siebten Tag der US-Militärschläge Protestkundgebungen.

Pakistanische Sicherheitskräfte gingen am Sonntag mit Tränengas gegen hunderte militante Moslems vor, die auf den Luftwaffenstützpunkt der Stadt Jacobabad vordringen wollten. Auf der Basis sollen sich Amerikaner befinden. Rund 350 Demonstranten wurden nach Polizeiangaben festgenommen. Bei einem weiteren Protest außerhalb von Jacobabad wurde ein Demonstrant getötet, zehn weitere wurden nach Angaben der Behörden und der Organisatoren der Kundgebung verletzt.

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