Immer mehr Norweger
Roskilde-Festival hat nur wenige deutsche Besucher

Die Deutschen machen sich rar beim Festival im dänischen Roskilde. Als in der Nacht zum Freitag zur Eröffnung des 33. Festivals westlich von Kopenhagen mehr als 50 000 Besucher die harten Klänge von Metallica bejubelten, stimmten nach Angaben der Festivalleitung höchstens 3 000 Fans auf Deutsch ein.

HB/dpa ROSKILDE. Diese Zahl aus dem Vorverkauf nimmt sich kümmerlich aus gegenüber den neunziger Jahren mit stets 15 000 Rockfans aus dem südlichen Nachbarland Dänemarks.

Von der Position als zweitstärkste Besuchergruppe nach den Platzherren und-damen zusammen mit den Schweden sind die Deutschen durch inzwischen 17 000 Norweger verdrängt worden. Die Wikinger aus dem Land der Fjorde waren früher nur vereinzelt zu sehen gewesen. "Für die Norweger ist halt ein Bier bei uns sehr billig, während es für die Deutschen sehr teuer geworden ist", meint Festivalsprecher Esben Danielsen in der heimischen Presse über die Hintergründe. Bier gilt als Grundnahrungsmittel in Roskilde, für das inzwischen pro Plastikbecherchen 18 Kronen (2,50 Euro) zu entrichten sind.

Der Preis für das Festivalticket hat sich in den vergangenen acht Jahren praktisch verdoppelt und kostet jetzt 165 Euro. Für die "Ölscheichs" aus Norwegen ein Pappenstiel, aber für viele junge Deutsche bei hoher Arbeitslosigkeit und schrumpfenden Einkommen offensichtlich nicht mehr zu bezahlen, meint Danielsen in der Zeitung "Jyllands-Posten".

Das sei "Quatsch", wehren einige deutsche Roskilde-Fans mit dem obligatorischen Bierbecher in der Hand ab: Im eigenen Land gebe es aber inzwischen auch sehr "brauchbare" Festivals, die etwa in diesem Sommer kurz vor Roskilde bei "Rock am Ring" und "Rock im Park" dieselben Top-Namen wie Metallica, Iron Maiden und Blur auf ihren Plakaten stehen hatten. Vorüber ist auch der Reiz des komplett Neuen und Andersartigen, der nach der Wende tausende Rockfans aus der früheren DDR über die Ostsee nach Dänemark gelockt hatte.

Immer wieder genannt wird auch der Tod von 9 Besuchern, darunter ein junger Hamburger, beim Roskilde-Konzert der US-Band Pearl Jam vor drei Jahren. Die Behandlung dieses furchtbaren Unfalles in den deutschen Medien habe abschreckender gewirkt als in den skandinavischen Ländern.

Uneinigkeit bei der Ursachenforschung ändert nichts daran, dass die Organisatoren sich auf die neue Lage auch beim Anheuern von Bands flexibel und unsentimental einstellen. War früher klar, dass es ein deutscher Name mit Starappeal wie 1991 Herbert Grönemeyer oder neun Jahre zuvor Ideal in den Glanzzeiten der Neuen Deutschen Welle sein musste, sucht man heute bis auf Insidertipps aus der DJ-Szene vergebens danach. Stattdessen wird nun auf den sechs Bühnen mehr auf Norwegisch gesungen, gerappt und geröhrt.

Bei den Dänen galten die Deutschen immer als unproblematische, freundliche Besuchergruppe mit weitaus weniger Alkoholproblemen als etwa Teenager aus Schweden. Mit einem gewissen Respekt und guten Auge für Details konstatiert die Kopenhagener Zeitung "B.T", der Anblick "Apfelschnaps trinkender Punker und Heavy-Rocker aus Deutschland" sei eine Roskilde-Rarität geworden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%