Immer noch viel heisse Luft - Auch bei Schwergewichten
Kommentar: Neues Roulette

Mit dem Neuen Markt ist es wie mit einem Casino. Wer da hineingeht, weiß genau, dass er vielleicht ärmer wieder rauskommt.

Klar, bei jedem Besuch hofft der Spieler, der große Wurf möge doch diesmal gelingen. Doch er weiß auch: Es kann ganz anders kommen. Und je länger er gemeinhin spielt, um so dünner wird oft sein Geldbeutel. Was den richtigen Spieler aber nicht davon abhält, das Casino demnächst wieder zu besuchen.

Nervenkitzel gehört dazu

Bezogen auf den Neuen Markt heißt das: Anleger, die dort Aktien kaufen, sollten sich über das hohe Risiko bewusst sein. Sie können viel Geld gewinnen, aber auch eine Menge verlieren. Am Ende stehen sie möglicherweise mit leeren Händen da, wenn sie ihre Gelder nicht rechtzeitig gerettet haben. Dieser Nervenkitzel gehört einfach dazu und macht das Spiel ja auch interessant.

Falsch wäre es, sich mit Hilfe von Analysten etwas vorzugaukeln. Weil die Kurse sehr stark gefallen sind, müssen sie nun keineswegs wieder rasant steigen. Wenn sich genügend Käufer finden, wird dies womöglich so sein. Aber solch eine Entwicklung sollte nicht nachträglich zum Fehlschluss führen, die Aktien am Neuen Markt seien heute billig.

Zocken hat nichts mit durchdachter Geldanlage zu tun

Die Fans dieses Börsensegmentes hören das zwar nicht gerne, doch auf längere Sicht zählt auch hier, was unter dem Strich herauskommt. Nicht der Umsatz ist entscheidend oder die Kurse der Konkurrenten, sondern letztlich der Gewinn. Wer das ausblendet, hat oft nur ein Interesse: Zocken - also mit wenig Aufwand möglichst viel Gewinn zu erzielen. Das ist völlig in Ordnung und muss fester Bestandteil der Finanzmärkte bleiben, hat jedoch mit langfristig durchdachter Geldanlage wenig zu tun.

Fehlerhafte Prognosen werden langsam zur Regel

Wer am Neuen Markt nicht bloß spielen, sondern investieren will, der kommt an den Ergebnissen der Unternehmen nicht vorbei. Setzt man Kurs und Gewinnprognose in Verhältnis zueinander (KGV), sieht es keineswegs so rosig aus, wie der starke Kursverfall im ersten Moment vermuten ließe. Für das laufende Jahr sind die Erkenntnisse gar erschreckend. Deutlich weniger als ein Drittel der gut 300 Aktien am Neuen Markt besitzen ein KGV zwischen 1 und 40, was zumindest zu einer Analyse einladen würde. In den nächsten Jahren wird die Quote immerhin besser. Doch wer weiß, wie lange die aktuellen Prognosen halten. Fehlerhafte Vorhersagen werden langsam zur Regel, selbst bei Schwergewichten - kein gutes Zeichen.

Ständig am Ball bleiben

Insgesamt zeigt die Betrachtung der Gewinn- und Verlustprognosen sowie der Kurse, dass noch immer viel heiße Luft am Neuen Markt gehandelt wird. Wer sich in diesem Börsensegment tummelt, sollte das nicht vergessen. Und noch eins: Man sollte ständig am Ball bleiben und im Zweifel schnell - auch unter Verlust - verkaufen, um beim Neue-Markt-Roulette nicht zu verarmen.

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