Immer weniger Mitglieder - Drei viertel Rentner
Die PDS ist überaltert

Die PDS ist überaltert und verliert zunehmend Mitglieder. Drei viertel sind Rentner. In den vergangenen zwei Jahren verlor die Partei fast ein Zehntel ihrer Mitgliedschaft. Das sind Ergebnisse einer Studie, die Parteichefin Gabi Zimmer am Freitag in Berlin vorstellte. Ohne Trendwende werde die PDS Handlungsfähigkeit einbüßen, sagte Zimmer.

dpa BERLIN. Dennoch geht sie davon aus, dass die PDS bei der Bundestagswahl 2002 vor der FDP und den Grünen drittstärkste Kraft wird. Allein von der Mitgliederzahl sei sie es jetzt schon. Die Partei brauche aber dringend jüngere Mitglieder, müsse ihre Kommunikation verbessern und ideologische Konflikte überwinden.

Die PDS hat in den vergangenen zwei Jahren 10 000 Mitglieder verloren und nun noch 80 000 Mitglieder im Osten und 4 000 im Westen. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte, die "aktiven Austritte" seien gering. Es habe viele Todesfälle gegeben. Für eine stabilisierende Mitgliederentwicklung benötige die Partei jährlich 3 500 Neueintritte. Derzeit seien es 2 500.

Nach der vom Vorstand in Auftrag gegebenen Studie sind 80 % der PDS-Mitglieder im Osten älter als 60 Jahre und nur 0,6 % jünger als 30 Jahre. Die Verfasser der Expertise, Michael Chrapa und Dietmar Wittich, erklärten, angesichts der Mitgliederentwicklung in den nächsten zehn Jahren könne man "ins Grübeln" kommen. Ganz anders sehen die Zahlen allerdings im Westen aus. Dort sind 78,1 % der Mitglieder jünger als 60 Jahre, davon 15,6 % unter 30 Jahre.

Etliche engagierte Frauen

Positiv fielen nach der Befragung von 2 300 PDS-Mitgliedern im vorigen Jahr folgende Faktoren ins Gewicht: Allen inneren Streitigkeiten zum Trotz erkenne die Mehrheit der Mitgliedschaft die Kompetenz ihres politischen Personals an. Die Partei verfüge über etliche engagierte Frauen, und viele Genossen zeichneten sich durch Informations- und Bildungsaktivität aus. Rund 67 % im Osten und 40 % im Westen sind Akademiker.

Problematisch sei aber, dass sich nur ein kleiner Teil in wichtigen politischen Gruppierungen wie Friedens- und Jugendarbeit engagiere. Noch deutlicher sei das Defizit im Internet und in Unternehmerverbänden.

Das Verhältnis der PDS zur Macht sei sehr sensibel und ein "hoch ideologisiertes Thema in der Partei". Im Osten hält ein Drittel, im Westen ein Viertel der Mitgliedschaft eine Regierungsbeteiligung der PDS für richtig. Gut die Hälfte ist der Meinung, das solle von Fall zu Fall entschieden werden. Dieser Ansicht schloss sich Zimmer an.

Modell der Tolerierung wird befürwortet

Das Modell der Tolerierung wie in Sachsen-Anhalt wird in der PDS geschätzt (rund zwölf Prozent). Rund ein Viertel aller Mitglieder ist für eine Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. Im Osten plädieren gut 52 % allgemein für eine Zusammenarbeit mit der SPD, im Westen sind es nur knapp 29 %.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass die Basis in parteiinternen Diskussionsprozessen öfter gehört und gefragt werden will. "Einen Aufstand der Basis unter der Führung linker Kritiker" sei aber eher nicht in Sicht, sagte Wittich. "Die Mehrheit der Mitgliedschaft will eins sein mit der Partei."

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