Immigranten in Belgien
Sechs-Euro-Ticket für die Rechte der Rechtlosen

Während die Innenminister der EU überlegen, wie sie die Grenzen im Mittelmeerraum besser gegen illegale Flüchtlinge sichern können, fordern immer mehr Belgier von ihrer Regierung die Legalisierung der Einwanderer.

BRÜSSEL. Die Menschenmasse am Brüsseler Südbahnhof glich eher einer riesigen Party als einer Demonstration: Knapp 10 000 Menschen aus aller Herren Länder tanzten am Samstagnachmittag zu Rasta-Musik, klatschten rhythmisch in die Hände und brachen hin und wieder in kollektiven Jubel aus. Aber die Botschaft auf den Plakaten war eindeutig. "Stoppt die Ausbeutung - Gebt uns unsere Identität zurück!", war dort in großen, roten Buchstaben zu lesen.

Andere Demonstranten trugen einen Pappkartons auf dem Rücken: "Ich bin Belgier und ich stimme für die Regularisierung der Illegalen."

Während die Innenminister der Europäischen Union überlegen, wie sie die Grenzen im Mittelmeerraum besser sichern können gegen die illegalen Flüchtlinge, die aus Afrika übers Meer in die EU drängen, wächst in Belgien eine immer stärkere Bewegung für die Rechte der Rechtlosen, für eine Legalisierung der illegalen Flüchtlinge im Land.

Die Kongolesen und Nigerianer - oder wo sie sonst noch herkommen - bleiben nicht in Spanien oder Italien. Sie ziehen weiter. Und Belgien ist ein beliebtes Zufluchtsland, denn der Kongo war einst belgische Kolonie, viele Flüchtlinge haben in Belgien bereits Familie oder zumindest Bekannte. Auf rund 200 000 schätzt das staatliche Zentrum für Chancengleichheit und gegen Rassismus die Zahl der illegalen Flüchtlinge in Belgien. "Vermutlich", sagt Julie Lejeune, "sind es aber noch viel mehr. Wir haben nur mit wenigen Kontakt. Die meisten leben im Verborgenen."

Aber genau das ändert sich seit Anfang des Jahres: Immer mehr Illegale kommen aus ihren Verstecken und setzen sich öffentlich für ihre Rechte ein. Zurzeit besetzen sie rund 40 Kirchen, Moscheen und andere Einrichtungen im ganzen Land, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Unterstützung bekommen sie von den Priestern, Pfarrern und Nachbarn.

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