Immobilienbetrieb reizt mit Renditen
Karstadt will ins Center-Geschäft

Der Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle will nun auch als Betreiber von Einkaufszentren Geld verdienen. Rund 20 Shopping-Malls sollen nach dem Willen von Vorstandschef Wolfgang Urban Mieter locken.

DÜSSELDORF. Der Essener Einzelhandelskonzern Karstadt-Quelle verpasst sich ein völlig neues Geschäftsmodell: Mit dem Betrieb eigener Einkaufszentren in Innenstadtlagen will er selbst Branchengrößen wie der Hamburger Otto-Tochter ECE die Stirn bieten. Das Konzept, mit dem er Europas größten Versand- und Warenhauskonzern im stationären Geschäft stärker auf Gewinn trimmen will, würde Vorstandschef Wolfgang Urban (58) im Gespräch mit dem Handelsblatt am liebsten für sich behalten - aus Gründen des Wettbewerbs. "Ja und Nein", antwortet er auf die Frage, ob er zum Initiator und Betreiber von Shopping-Malls werden will. Doch dann ergänzt er: "Einkaufszentren sind ein wichtiger Teilaspekt unserer Strategie."

In den kommenden zehn Jahren, so Urbans Plan, sollen 20 Shopping-Center aufgebaut und anschließend in Eigenregie betrieben werden. "Sie müssen sich die auf der grünen Wiese gebauten Zentren einfach in den Innenstädten vorstellen. Die Standorte haben wir. Jetzt geht es darum, sie für die Kunden zu einem lokalen Mittelpunkt auszubauen." Karstadt-Quelle winkt ein lukratives Geschäft. 300 bis 400 Mill. Euro Umsatz könnten jährlich pro Zentrum anfallen, schätzt man im Unternehmen. Immobilienkreise berichten, dass Karstadt-Quelle zur Arrondierung in kleinerem Umfang bereits Grundstücke aufkauft.

Im Immobiliengeschäft kann das Handelshaus auf reiche Erfahrungen zurückgreifen. Im Geschäftsjahr 2001 verdiente der Konzern 55 % seines Vorsteuergewinns aus dem Betrieb von Gebäuden. "Für Karstadt-Quelle macht es Sinn, Flächen zum Teil fremd zu vermieten", sagt die Deutsche-Bank-Analystin Cora Flurschütz. Denn hier seien die Renditen für das Unternehmen sehr positiv. Julia Münchschwander vom Bankhaus Metzler sieht das ähnlich: Mit den Gewinnen aus diesem Segment könne es dem Konzern womöglich gelingen, unrentable kleinere Häuser in den Griff zu bekommen.

Wie bei vielen anderen Geschäftsaktivitäten schließt Urban auch beim Aufbau der Shopping-Malls Kooperationen mit starken Partnern nicht aus. Die Fäden will der Konzern aber in der Hand behalten. Ein Verkauf von Immobilien, wie ihn derzeit Urbans einstiger Arbeitgeber Metro plant, komme für Karstadt-Quelle nicht in Frage. Anders als im Erfurter Einkaufscenter "Anger 1", wo Karstadt ins Centermanagement der ECE eingebunden ist, möchten die Essener diese Aufgabe in Zukunft selbst übernehmen. "Wir werden die Immobilien selbst entwickeln und managen. Und wir werden an diesen Prozessen Geld verdienen."

Als Vorbild gilt Urban hier das Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum. Seit dem Umbau des 40 000 Quadratmeter großen Hauses, der rund 30 Mill. Euro gekostet hat, präsentiert sich Karstadt dort im engen Verbund mit zahlreichen Markenshops und Fachhändlern. Selbst Wettbewerber - etwa die Stadtparfümerie Pieper - zählen zu den Mietern des Zentrums. Dabei folgt die Architektur dem Konzept der Markthalle: Trennende Wände zwischen den einzelnen Shops sucht der Kunde nahezu vergeblich.

In Mülheim zeichnet sich ab, wie auch in anderen Häusern eine Arbeitsteilung zwischen dem Warenhausbereich und den Markenartiklern aussehen könnte. Während Ralph Lauren oder Peek & Cloppenburg mit Markenkompetenz locken, legt Karstadt seinen Schwerpunkt auf das Angebot der margenträchtigeren Eigenmarken.

Mit ihren Center-Plänen setzen die Essener auf einen boomenden Markt. Auch Wettbewerber wie ECE, Brune Consulting oder ITCM haben in Deutschland einen hohen Bedarf an Shopping- Malls ermittelt. "Wir erwarten, dass sich das Geschäft weiter gut entwickelt", sagt ITCM-Geschäftsführer Reiner Bodenburg.

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