Immunsystem toleriert geklontes Gewebetransplantat
Forscher züchten Nieren in Kühen

Durch Klonen erzeugtes Muskel- und Nierengewebe wird nach der Transplantation nicht abgestoßen. Das haben Wissenschaftler der Harvard Medical School und des Bio-Tech-Unternehmens Advanced Cell Technology jetzt erstmals im Tierversuch nachgewiesen.

wsa HAMURG. Die im Fachjournal "Nature Biotechnology" veröffentlichten Ergebnisse lassen vermuten, dass therapeutisches Klonen auch beim Menschen erfolgreich eingesetzt werden könnte, um zerstörtes Gewebe zu ersetzen. Durch therapeutisches Klonen wäre es möglich, von einem Patienten genetisch identisches - und damit immunologisch verträgliches - Ersatzgewebe zu erzeugen.

Dazu würde der Zellkern einer Zelle des Patienten in eine entkernte Eizelle übertragen. Aus Stammzellen des daraus entstehenden frühen Embryos ließe sich Gewebe züchten, das immunologisch mit dem des Patienten übereinstimmt. Nur die Energie erzeugenden Zellbestandteile, die Mitochondrien, die eigenes genetisches Material enthalten, stammten dann noch aus der ursprünglichen Eizelle und stellten damit körperfremdes Material dar. Bisher war unklar, ob nach einer Transplantation dieser Fremdbestandteil zur Gewebeabstoßung führen würde. "Diese Studie sollte im Tiermodell untersuchen, wie das Immunsystem auf kloniertes Gewebe reagiert", sagt Michael West von ACT.

Die Arbeitsgruppe von Robert Lanza und Anthony Atala klonte Embryonen aus Hautzellen eines Rindes und ließen sie in einer Gebärmutter heranwachsen. Aus fünf bis sechs Wochen alten Föten wurden Herz- und Skelettmuskelzellen entnommen, im Labor vermehrt und unter die Haut des Tieres eingepflanzt, das als Zellkernspender gediente hatte. Zwölf Wochen später zeigten die Zellen der Transplantate die für das jeweilige Gewebe typische Gestalt. Anzeichen für Immunreaktionen waren nicht erkennbar. Auch geklonte fötale Nierenzellen wurden im Labor vermehrt, auf eine Membran fixiert und gleichermaßen implantiert. Innerhalb von zwölf Wochen kam es nicht zu Abstoßungsreaktionen. Es entwickelten sich die für Nieren typischen Strukturen und Aktivitäten. "Die Zellen waren fähig, toxische Abfallprodukte mit einer urinartigen Flüssigkeit auszuscheiden", so die Wissenschaftler.

Das therapeutische Klonen würde das Hauptproblem der Transplantationsmedizin lösen - die Abstoßung des fremden Gewebes. Menschen mit Herz-, Lungen-, Leber- und Nierenkrankheiten sowie Diabetes-, Krebs- und Schlaganfallpatienten könnten eines Tages mit dieser Technik behandelt werden, schreiben die Wissenschaftler.

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