Imperial Tobacco erhält Zuschlag für Reemtsma
West kommt unter John Players Dach

Das Ringen um den Zigarettenhersteller Reemtsma ist entschieden. Die britische Imperial Tobacco hat für rund 6,8 Mrd. Euro den Zuschlag erhalten. Drei Viertel davon kassiert die Hamburger Familie Herz. Sie möchte das Geld in den Ausbau ihrer Position bei Beiersdorf stecken. Doch hat auch L?Oréal Interesse am Kosmetikkonzern.

beu HAMBURG. Die Imperial Tobacco Plc, Bristol, übernimmt den drittgrößten deutschen Zigarettenhersteller, die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg. Imperial lässt sich das Geschäft 6,84 Mrd. Euro kosten. Verkäufer sind die Tchibo Holding AG (75,11 %) der Gründerfamilie Reemtsma und einige kleinere Anteilseigner. Das Geschäft steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der außerordentlichen Hauptversammlung am 8. April sowie der Kartellbehörden.

Der nach viermonatigen Verhandlungen am Donnerstag Morgen unter Mitarbeit von rund 30 Juristen unterzeichnete Vertrag bewertet Reemtsma mit 5,8 Mrd. Euro. Im ersten Schritt übernimmt Imperial 90,01 % der Reemtsma-Anteile für 5,221 Mrd. Euro in bar . Zusätzlich erhalten die Reemtsma-Gesellschafter 810 Mill. Euro Dividende sowie weitere rund 230 Mill. Euro Auszahlungen. Jede Seite kann die Übernahme der restlichen 9,99 % bis 2004/2005 herbeiführen.

Der Tchibo Holding fließen aus dem Deal im ersten Schritt 4,67 Mrd. Euro zu. Diese Mittel sollen, wie es aus dem Tchibo-Umfeld heißt, zum Ausbau der 30-prozentigen Beteiligung am Kosmetikkonzern Beiersdorf AG (Nivea) auf eine Mehrheit eingesetzt werden. Die Hamburger Familie Herz, der die Tchibo Holding gehört, hat Interesse am 43,6 %-Beiersdorf-Paket, das bei der Allianz Versicherung in München liegt.

Damit steht Tchibo allerdings nicht allein. Wie es aus dem Umfeld von Beiersdorf heißt, hat der französische Konkurrent L?Oréal bereits beim Münchener Versicherungskonzern angeklopft. Dabei bestünde der weltgrößte Kosmetikkonzern auf einer Mehrheit bei Beiersdorf. Von der Allianz gibt es hierzu keinen Kommentar. Sollte L?Oréal den Zuschlag erhalten - der Preis müsste samt Paketzuschlag bei 15 Mrd. Euro liegen -, könnte es bei Beiersdorf nach Branchenschätzung zu tiefen Schnitten kommen: So könnten auf Grund von Auflagen der Kartellbehörden sowie des Abbaus der Verwaltung, des Vertriebs, Forschung und Marketing die Hälfte der 16 000 Arbeitsplätze weltweit gefährdet sein. Dies setze indes voraus, dass Tchibo beziehungsweise die Familie Herz sich von ihren 30 % an Beiersdorf trennt. Dafür gebe es aber gerade nach dem Reemtsma-Deal keinerlei Anzeichen.

Imperial wiederum erwartet aus der Reemtsma-Übernahme jährliche Einsparungen von mindestens 458 Mill. Euro ab dem Jahr 2004. Durch die Übernahme entsteht das viertgrößte Tabakunternehmen der Welt. Gemeinsam werden beide Unternehmen einen Pro-forma-Umsatz von 4,7 Mrd. Euro (ohne Tabaksteuer) erwirtschaften, in 100 Ländern vertreten sein und mehr als 18 000 Mitarbeiter beschäftigen.

Reemtsma hat im Jahr 2001 als weltweit viertgrößter Zigarettenproduzent 122,4 Mrd. Zigaretten hergestellt. Der Konzern beschäftigt in Hamburg und in seinen Fabriken in zehn Ländern 10 180 Mitarbeiter. Von den 2,3 Mrd. Euro Umsatz (ohne Tabaksteuer) stammen 75 % aus dem internationalen Geschäft. Die Reemtsma-Marken wie West und R1 ergänzen das Portfolio von Imperial Tobacco mit Marken wie Lambert&Butler und John Player Special. Imperial ist auf die Feinschnittmarken Drum, Golden Virginia und Van Nelle konzentriert. Analysten begrüßten den Kauf. Beide Unternehmen überschnitten sich praktisch nicht.

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