Impfstoff-Hersteller schließen sich zusammen – Konzentrationswelle in der Biotech-Industrie
Berna übernimmt Rhein Biotech

Mit der Übernahme der Rhein Biotech AG will der Schweizer Impfstoff-Spezialist Berna seine Position in Europa und Asien verstärken und die Konsolidierung der Impfstoff-Industrie vorantreiben. Analysten begrüßen die neue Kombination in der europäischen Biotechbranche.

FRANKFURT/M. Die Konzentrationswelle in der Biotech-Industrie erreicht den europäischen Kontinent. Ein entsprechendes Signal hat am Donnerstag die Schweizer Berna Biotech AG mit ihren Plänen zur Übernahme der Rhein Biotech AG gegeben. Für insgesamt rund 280 Mill. Euro in bar und eigenen Aktien will der eidgenössische Impfstoffhersteller die am Neuen Markt notierte Rhein übernehmen. Berna bietet etwa 68 Euro je Rhein-Aktie und damit einen Aufschlag von mehr als 40 % auf den letzten Börsenkurs von Rhein Biotech. Knapp die Hälfte des Preises soll in bar gezahlt werden, der Rest in Berna-Aktien.

Die Transaktion dürfte damit die größte europäische Biotech-Fusion seit dem Zusammenschluss von Evotec und OAI vor rund zwei Jahren sein. Sie folgt dem gleichen Muster wie die jüngste Fusionswelle in der US-Biotechbranche. Auch dort waren vor allem die reiferen, ertrags- und finanzstarken Vertreter der Branche wie Amgen, Medimmune und Millenium die treibenden Kräfte.

Berna Biotech zielt mit dem geplanten Kauf vor allem auf eine führende Rolle bei der Konsolidierung im Impfstoff-Geschäft. Der etwa sechs Mrd. $ große Weltmarkt für Impfstoffe wird bisher zu etwa drei Vierteln von den Pharmariesen Aventis, Glaxo Smithkline, Merck & Co sowie Wyeth dominiert. Daneben gibt es kleinere nationale Hersteller sowie Biotechfirmen, die auf den Markt drängen.

Auch für diese Firmen werde eine kritische Größe immer wichtiger, begründete Berna-Chef Kuno Sommer gestern die geplante Transaktion. Er will mit seinem Unternehmen nun bis 2005 eine Führungsposition unter den unabhängigen Impfstoff-Herstellern erreichen.

Konkurrenten in diesem Umfeld sind unter anderen die britischen Firmen Powderject und Acambis sowie der amerikanische Biotech-Konzern Chiron.

Die bereits rund 100 Jahre alte Berna befindet sich als Konsolidierer insofern in einer guten Ausgangsposition, als sie solide Erträge erwirtschaftet. Bei 292 Mill. sfr. (200 Mill. Euro) Nettoumsatz erreichte das Unternehmen 2001 immerhin 41 Mill. sfr Nettogewinn. Und mit liquiden Mitteln von rund 280 Mill. sfr hat Berna keinerlei Probleme, den Baranteil der Offerte von maximal rund 135 Mill. Euro aufzubringen. Analysten begrüßten die Übernahme vor allem wegen der komplementären Produktportfolios der Firmen. "Der Deal hat finanziell Sinn", sagt Chris Redhead von WestLB Panmure. Thomas Höger von der DZ Bank spricht von einem attraktiven Angebot für die Rhein-Aktionäre.

Während Berna bereits stark auf den europäischen Impfstoffmärkten vertreten ist, konzentriert sich das operative Geschäft von Rhein Biotech bisher vor allem auf Hepatitis-Impfstoffe für die Dritte Welt. Rhein hat 2001 rund 82 Mill. Euro umgesetzt. Das operative Geschäft wird von den Aktivitäten geprägt, die das Unternehmen vor zwei Jahren von Korea Green Cross erworben hatte. Darüber hinaus verfügt Rhein über Technologien zur kostengünstigen Produktion von Impfstoffen. Diese hofft Berna nun auch für die eigenen Zwecke nutzen zu können.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%