Importe steigen - Rückgang am Bau
Deutsche Wirtschaft geschrumpft

Die deutsche Wirtschaft ist Anfang dieses Jahres vor allem wegen eines starken Anstiegs der Importe und rückläufiger Bauinvestitionen geschrumpft. Volkswirte hoffen nun bestenfalls auf eine langsame Erholung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte.

Reuters WIESBADEN. Die Importe seien zum Schlussquartal 2002 real um 1,9 % gestiegen, während die Exporte lediglich um 0,7 % zugelegt hätten, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Damit habe der Außenbeitrag das Wachstum im Quartalsvergleich um 0,4 %punkte gebremst. Die Bauinvestitionen sanken zum vierten Quartal um 3,3 %.

Die Statistiker bestätigten ihre vorläufigen Berechnungen von vergangener Woche, nach denen die Wirtschaftsleistung im ersten Vierteljahr zum Vorquartal um 0,2 % gesunken und gegenüber dem Vorjahr um 0,5 % gestiegen ist.

Einige Volkswirte zeigten sich angesichts der schwachen Binnenwirtschaft vor allem überrascht über den Anstieg der Importe. "Man fragt sich, wo die Importe alle hingegangen sind", sagte Andreas Rees von der Hypovereinsbank. Manfred Kurz von der Hypovereinsbank vermutete, dass der Importanstieg vor allem auf die gestiegenen Energiepreise zurückgeht. Gerd Haßel von der ING BHF-Bank sagte, der Importanstieg sei wohl darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen wegen des heraufziehenden Irak-Kriegs sich stärker als sonst mit Öl-Reserven eingedeckt hätten.

Mehrere Volkswirte haben ihre Wachstumserwartungen für das Gesamtjahr auf Grund des schwachen Wachstums im ersten Quartal beträchtlich nach unten geschraubt - so erwartet beispielsweise die Hypovereinsbank im Gesamtjahr nun nur noch ein BIP-Plus von 0,2 %, nachdem sie zuvor mit einem Plus von 1,0 % zu den Optimisten gezählt hatte. Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt verwies auf den positiven Wachstumsbeitrag der Vorratsveränderungen, die das Wachstum im zweiten Quartal belasten sollten. Zudem hoben die Volkswirte auch die wachstumsdämpfende Wirkung des starken Euro hervor.

Mit der Belastung der Gesamtwirtschaft durch den Bau hatten die Analysten dagegen unter anderem wegen des schlechten Wetters gerechnet. Die gesamten Bruttoanlageinvestitionen gingen durch die Schwäche der Baunachfrage um 1,7 % zurück und reduzierten das Wachstum um 0,3 %punkte.

Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen im ersten Quartal unter Herausrechnung der Inflation (real) um 0,3 %. Der Privatkonsum legte um 0,6 % zu, der Staatskonsum um 0,1 %. Die gesamte inländische Verwendung stieg damit zum Vorquartal um 0,1 %.

Volkswirte hatten mit Spannung auf die Veröffentlichung der Details zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gewartet, da die meisten in der vergangenen Woche von dem Rückgang völlig überrascht worden waren. Auf Grund relativ guter Daten aus dem Verarbeitenden Gewerbe hatte die Mehrheit der Experten mit einem BIP-Anstieg gerechnet. Viele Analysten befürchten nun, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt nicht wachsen wird.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%