Importverbot von deutschem Rindfleisch in Belgien
BSE-Verdacht in Norddeutschland nicht bestätigt

Die Tests zu den drei BSE-Verdachtsfällen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben die Rinderseuche nicht bestätigt. Nach Österreich hat auch Belgien ein Importverbot für deutsches Rindfleisch ausgesprochen.

ddp/ap/dpa SCHWERIN/ KIEL/BERLIN/BRÜSSEL. Die amtlichen Untersuchungen zu den drei BSE-Verdachtsfällen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben die Rinderseuche nicht bestätigt. Die Tests seien alle negativ ausgefallen, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am Freitag in Schwerin mit. Noch im Tagesverlauf sollen die Untersuchungen im Rostocker Landesveterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamt aber mit anderen Testverfahren fortgesetzt werden. Mit Ergebnissen rechnet Backhaus am Abend.

Informationen zu BSE im Internet

Drei Proben der 356 am Dienstag im Schlachthof Teterow getöteten Tiere hatten unklare Befunde in Bezug auf BSE ergeben. Zwei Rinder stammen aus Schleswig-Holstein, eines aus Mecklenburg-Vorpommern. Die in einem Hamburger Labor untersuchten Proben wurden daraufhin zur weiteren Kontrolle nach Rostock geschickt.

Nach Österreich verbannt auch Belgien deutsches Rindfleisch

Belgien nimmt wegen der BSE-Krise deutsches Rindfleisch und alle Rindfleischprodukte aus der Bundesrepublik aus dem Handel. Dies hat die belgische Gesundheitsministerin Magda Alvoet am Freitagabend angekündigt. Die Maßnahme tritt sofort in Kraft.

Der Handel wurde angewiesen, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Dazu gehören auch alle Erzeugnisse, in denen sich Rindfleisch befindet. In einem Kommunique der Regierung hieß es: "Die deutschen Behörden scheinen nicht in der Lage, die notwendigen besonderen Gesundheitshinweise über das deutsche Rindfleisch und Produkte mit Rindfleisch geben zu können."

Die Ministerin riet den belgischen Verbrauchern ab, deutsche Rindfleischprodukte zu verzehren. Sie wies die Kunden an, sich genau nach Herkunft und Zusammensetzung zu erkundigen.

Bundesregierung gesteht Panne bei BSE-Bekämpfung ein

Unterdessen hat die Bundesregierung im Umgang mit der BSE-Krise am Freitag in Berlin Versäumnisse eingeräumt. Ein Brief der Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach, in dem auf eine mögliche Gefahr durch BSE-verseuchtes Fleisch in Wurstwaren hingewiesen wurde, sei im Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium nicht zügig bearbeitet worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder denke aber nicht daran, Gesundheitsministerin Andrea Fischer den Rücktritt nahe zu legen, erklärte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye.

Zehn Tage nach dem Bekanntwerden des ersten BSE-Falls in Deutschland hatte das Kulmbacher Institut in einem Schreiben an das Landwirtschaftsministerium vor so genanntem Separatorenfleisch gewarnt, welches nach der Schlachtung maschinell von den Rinderknochen abgelöst wird und eventuell den BSE-Erreger enthalten könne. Das Fleisch wird vor allem bei der Produktion von Brüh- und Kochwürsten verwendet.

Warnung nicht ernst genug genommen

Der Brief sei am 6. Dezember im Agrarministerium eingegangen, erklärte Sprecherin Sigrun Neuwerth. Er sei dann im Ministerium geprüft worden und am 11. Dezember an das Gesundheitsministerium weitergeleitet worden. Die Sprecherin gestand ein, es wäre sicher richtig gewesen, den Vorgang an die politische Ebene weiterzugeben. Auch sei das Schreiben "nicht mit der gebotenen Eile auf den Weg gegeben worden". Neuwerth meinte: "Die Aufregung in unserem Hause war deutlich geringer als in der Presse."



Auch im Gesundheitsministerium wurde die Warnung der Kulmbacher Experten auf Fachebene geprüft und dann an das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin in Berlin weitergegeben. Das Bundesinstitut habe sich der Meinung der Kulmbacher Fachleute angeschlossen und das Gesundheitsministerium am 20. Dezember informiert, erklärte Sprecherin Sabine Lauxen. Ministerin Fischer hatte diese Verzögerung am Donnerstag als "hochärgerlich" bezeichnet.

Rückruf von Fleischwaren rechtlich nicht machbar

Bereits vor vier Jahren hatte das Kulmbacher Institut den damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer auf diese Gefahrenquelle hingewiesen. Die Akten der Vorgängerregierung könnten nicht "eins zu eins" gelesen werden, sagte die zuständige Sprecherin.

Das Gesundheitsministerium bemüht sich am Freitag in einem Gespräch mit den wichtigsten Handelsketten und Fleischwarenproduzenten darum, dass die Händler bedenkliche Wurst- und Fleischwaren freiwillig aus dem Verkehr ziehen, nachdem eine Eilverordnung zum Rückruf der Waren rechtlich nicht machbar war.



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