Impuls durch die Riester-Rente
Versicherer trotzen der Konjunktur

Die deutschen Versicherer rechnen trotz der aktuellen Konjunkturschwäche und der Anschläge in den USA mit einem zunehmenden Wachstum. Die Beitragseinnahmen der Branche dürften im laufenden Jahr mit 3,3 Prozent stärker als im Vorjahr mit 2,9 Prozent zulegen, im kommenden Jahr werde das Wachstum mit dem Impulses durch die geförderte private Altervorsorge gar auf rund fünf Prozent hochschnellen, sagte am Mittwoch in Berlin der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) voraus.

Reuters BERLIN. Wegen der schwachen Aktienmarktentwicklung und sinkender Kapitalmarktzinsen müssten die Lebensversicherungskunden aber durchweg mit Kürzungen ihrer Überschussbeteiligung rechnen, während für die Kunden in der Industrieversicherung massive Beitragsanstiege anständen.

GDV-Präsident Bernd Michaels verteidigte die Forderung der Versicherungswirtschaft, der Staat müsse sich an den Haftungen von Terrorschäden beteiligen. Der Vorwurf, die Versicherer wollten sich um Schadenszahlungen drücken, sei unberechtigt, sagte der GDV-Chef. Die Versicherungswirtschaft zahle schließlich die auf mindestens 40 Mrd. $ geschätzten Schäden der Anschläge in den USA in vollem Umfang. Da aber solche Schäden nicht kalkulierbar, in ihrer Höhe ohne Beispiel und im Übrigen politisch bedingt seien, müsse der Staat in die Haftung einbezogen werden.

Die Branche habe ein Modell erarbeitet, nach dem die Schäden durch solche Terroranschläge durch einen Pool von Erst- und Rückversicherern gesondert und bis zu einer bestimmten Höhe abgedeckt werden sollten. Oberhalb eines formulierten Grenzbetrages müsse der Staat für die Haftung einstehen. Darüber wolle man nun mit der Bundesregierung sprechen.

Optimismus für die Zukunft

Heftige Kritik übte Michaels an Plänen der Grünen und der SPD, die im Finanzausschuss des Bundestages beschlossen hatten, dass Versicherer etwaige steuerliche Verlusten von Lebens- und Krankenversicherungen nicht mit Gewinnen der Sachversicherer verrechnen können. Dadurch sollen vor allem Städte und Gemeinde weitere Mindereinnahmen bei der Gewerbsteuer erspart werden. Dazu sagte Michaels, es handle sich hierbei um eine "verfassungsrechtlich sehr bedenkliche" Maßnahme, auf die die Branche reagieren werde. Die Versicherungswirtschaft werde damit erneut einseitig betroffen und drohe immer mehr zum "Dukatenesel" zu werden, um finanzpolitische Löcher zu stopfen.

Dennoch blickt die deutsche Branche positiv in die Zukunft. Die Lebensversicherer dürften nach GDV-Schätzungen im laufenden Jahr 3,1 % mehr Beiträge erzielen. Mit der geplanten staatlichen Förderung der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge werde der Zuwachs in der Lebensversicherung im nächsten Jahr dann auf 7,5 % steigen. Wenn die Lebensversicherer durchweg ihre Überschussbeteiligung von bislang zumeist gut sieben Prozent auf unter sieben Prozent kürzten, so liege das an der Zins- und Aktienmarktentwicklung.

Industrieversicherung als Sorgenkind

Die Schadens- und Unfallversicherer werden mit 2,6 % in diesem und rund 2,5 % im nächsten Jahr eine stabile Wachstumentwicklung haben, sagte der GDV voraus. Dabei werde dieser Bereich in diesem Jahr erstmals seit längerem keine Verluste mehr im reinen Versicherungsgeschäft hinnehmen müssen. Stark verbessert habe sich das Autoversicherungsgeschäft, das im laufenden Jahr mit immer noch rund 1 Mrd. DM im Verlust bleiben werde. Das stelle aber angesichts von 10 bis 11 Mrd. DM an aufgelaufenen Verlusten in den letzten drei Jahren eine Besserung dar. Es sei aber immer noch ein weiter Weg, bis hier Gewinne erzielt würden.

Ein Sorgenkind sei ungeachtet der Anschlagsfolgen die Industrieversicherung, die erneut einen Milliardenverlust in diesem Jahr erziele. Darauf werde die Branche mit teils massiven schrittweisen Erhöhungen der Prämien reagieren. Insgesamt seien jedenfalls in vielen Versicherungsbereichen, in denen in den letzten Jahren Sorgen bestanden hätten, Besserungen sichtbar, sagte Michaels.

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